Sunday Colours: Wurzeln


Wie Ihr ja vielleicht wisst, liebe ich seichte, oberflächliche Unterhaltung am Abend. Aber mal ehrlich, keiner kann mir erzählen, dass man beim Shopping-Queen-Gucken nicht immens viel über zwischenmenschliche Beziehungen und menschliches Verhalten allgemein lernen kann 😁. Kann's nur jeder (angehenden) Paar- oder Familientherapeutin empfehlen. So bin ich neulich in einer alten Folge mal wieder auf eine sehr interessante Sache gestoßen. Die Sache mit den Wurzeln nämlich. 

Drei Berliner Familien traten in 3 Folgen unter dem Motto "Was uns als Familie verbindet" gegeneinander an, alle drei aus dem Ostteil der Stadt. Eine der Familien bestand aus vier Geschwistern, die zwar alle in Berlin geboren wurden, aber (und das ist ja nun schwer zu übersehen!) einen afrikanischen, genauer gesagt, angolanischen Background hatten. Sie entschieden sich in ihren geshoppten Outfits für bestimmte Farben als verbindendes Element. Die "Jury" (bestehend aus den anderen Familien) kritisierte an den wirklich gelungenen Outfits vor allem, dass die "afrikanischen Wurzeln in den Looks nicht herausgearbeitet wurden". Zum Beispiel hätte man doch durch "um den Kopf geschlungene Tücher oder ähnlichem" diese "besser sichtbar" machen können.



Gähn! Mal abgesehen davon, dass ich keine Ahnung habe, ob man in Angola überhaupt Turban-ähnliche Gebilde auf dem Kopf trägt, fallen mir hierzu gleich mehrere Dinge ein. Überhaupt zu dieser ganzen Geschichte mit den Wurzeln. Die ganze Misere mit der gescheiterten Integration hängt nämlich meiner Ansicht nach unter anderem damit zusammen, dass wir es einfach nicht lassen können! Egal, ob "gut gemeint" oder nicht, wir versuchen ständig, irgendwelche Wurzeln auszugraben. Heißt nicht nur, Menschen zu kategorisieren, in Formen zu pressen, in Schubladen zu stecken, sondern ihnen eine Geschichte aufzuzwingen, die womöglich gar nicht die ihre ist.

Aber nun wieder zurück zu den Wurzeln. Warum sollten waschechte Berliner (wie die vier Geschwister mit der dunkelgoldenen Hautfarbe) überhaupt "afrikanische Accessoires" tragen? Keine Ahnung, aber es gab Punktabzug dafür, dass sie darauf verzichteten. Und wieso hatten die beiden anderen Familien nicht an ihre eigenen (ostdeutschen) Wurzeln gedacht und diese durch nette kleine Gimmicks wie schlecht genähte Polyesteranzüge oder labbrige West-Jeans-Kopien (wie damals eben in der DDR üblich) in ihren Looks herausgearbeitet? Ja, Mensch, zumindest eine Hammer-und-Sichel-Brosche hätt' ich da schon erwartet😁! Punktabzug!!!

Nennt mir doch bitte einen Grund, weshalb mich die Wurzeln eines Menschen überhaupt interessieren sollten, so lange er selbst nicht darauf zu sprechen kommt. Nennt mir einen Grund, die diese nervige, aber immer noch und immer wieder gestellte Frage "Wo kommst Du eigentlich her?" berechtigt. Die Hautfarbe? Die Haarfarbe? Ein Akzent? Ist das nicht eigentlich dieses ewig-gestrige, typisch europäische Alte-Welt-Denken? 


Bitte jetzt nicht falsch interpretieren. Ich hab ja überhaupt nix dagegen, wenn Menschen ihren Spaß daran haben, den Familienstammbaum bis in die Steinzeit zurück zu verfolgen. Ich glaube halt nur, dass es nicht unbedingt gut tut, sich mehr als nötig in der Vergangenheit aufzuhalten, dieser möglicherweise sogar nachzutrauern.

Ich bin davon überzeugt, je stärker Menschen an ihren eigenen Wurzeln und Traditionen und damit gezwungenermaßen an denen der anderen festhalten, desto weniger denken sie fortschrittlich. Und umso starrer und unbeweglicher werden sie.








Woher ich komme? Ach, ich weiß nicht. Es gibt so Tage, da bin ich mir noch nicht mal sicher, ob ich überhaupt von dieser Welt bin, so Alien fühl ich mich. Fragt mich, wo ich herkomme und ich werde vielleicht antworten: Tja, wo komm ich her? Wo geh ich hin? Mich wundert, dass ich so fröhlich bin! Fragt mich nach meinen Wurzeln und ich werde sagen, dass Treibholz bekanntlich keine hat. Dafür lässt es sich von jeder noch so kleinen Welle tragen, irgendwohin... vielleicht zu neuen Ufern.



OUTFIT: 
Rock und Taschenanhänger: H&M (2017)
Bluse: Michael Kors (2019)
Schuhe: Rieker (ca. 2016)
Jeansweste: DIY aus Jacke
Tasche und Sonnenbrille: TkMaxx (2019)
Armband: von Tina geschwäppt

LOCATION:
vor dem (geschlossenen!) Restaurant "Rosengarten" am Westpark, München

Kommentare

  1. ha - liebe maren - nicht dass du einen anzug trägst, der genau in DIE kerbe haut, die mich stilmässig gerade eben beschäftigt hat.....
    .....nein - du sprichst mir aus dem herzen!!!
    ich würde sogar soweit gehen, diesen anderen familien rassismus zu unterstellen. eine frechheit, die sache mit den turbanen! und die sendung macht da mit? da geht mir das messer in der tasche auf.

    die vergangenheit kennen und aus den fehlern der altvorderen lernen finde ich wichtig und richtig - aber nicht "stammbaumforschung" zu betreiben, um sich und die famile zu beweihräuchern und mit fake-wappen zu schmücken - sowas finde ich ehrlich gesagt krank. als ob 236 stammbaum aus einem deppen jemand tolles machen würden.......

    zum anzug! vorweg - ich mag keine jeansjacken, die westen daraus schon gar nicht. (da können die TREND dranschreiben wie sie wollen) ABER - der rest ist stimmig und mit dem wildwestcharme des ganzen - farben, bluse in muster und details, stiefel, armband, tasche mit kaktus und pferdewagen - haut auch das jeansding wieder hin!
    also = grosses lob für deinen look!!! volle punktzahl!
    obwohl du sicher keine wurzeln in texas hast.... oh mann. :-DDDD
    schönen sonntag! xxxxx

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    1. Liebe Beate, ui, da hab ich dann glatt in die richtigen kerben gehauen. Dieses Western-Ding oder auch American Ureinwohner-Ding beschäftigt mich auch ab und zu, gerade jetzt.
      Und diesen Wurzel-Rassismus erleb ich ja dauernd, besonders weil es für die Eltern der Kids bei uns ja auch immer wieder Thema ist und damit auch bei den Kindern. Die meisten hier geboren und verwurzelt. Und manche haben halt das Pech, dass sie nicht "deutsch" aussehen, und dauernd irgendwie "gut gemeinte" Fragen über sich ergehen lassen müssen. Und ja, das ist Rassismus, Danke, dass Du's aussprichst!

      Aus den Fehlern lernen ist wichtig, aber bei Familienstammbaum usw. geht's mir wie Dir.

      Vielen Dank! und mir den Wurzeln in Texas bin ich mir nicht ganz sicher, zumindest gibt es entfernte Verwandte... aber die USA sind sowieso ein von Wurzeln und Kulturen übersähtes land, logisch, die Ureinwohner haben sie ja um die Ecke gebracht... und Familie Trump kommt aus der Pfalz. Tja, und was sagst uns das jetzt? :-DDD
      Merci xxxxx

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  2. Liebe Maren,
    Deinen Western-Look mag ich sehr und vor allem die Tasche hat es mir angetan.
    Wurzeln allerdings definiere ich für mich anders. Sie sind ein Teil von mir und obwohl aus der Vergangenheit herrührend, sind sie wichtig für mich.. Wie Du weißt, spreche ich Dialekt, Schwäbisch genau gesagt, und ich bin mir bewußt, dass mein Handeln, meine Werte von meinen Wurzeln geprägt sind. Das heiüt nicht, dass ich alles fraglos übernehme und vor allem macht es mich nicht zu etwas Besserem. Ich hatte beruflich häufig Kontakt mit Menschen aus Afrika und dem Mittleren Osten. Wir haben über unser Leben, über unsere Traditionen, unsere Werte gesprochen. Sie sind in Ihrer Welt verwurzelt, ich in meiner, trotzdem oder gerade deswegen können wir uns auf Augenhöhe austauschen. Den Menschen ihre Wurzeln zu nehmen, sie zu negieren oder herabzusetzen ist eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Mich würde erschrecken, wenn wir alle "wurzellos" gleichgeschaltet sind. Dass wir verschieden sind und unsere Verschiedenheit leben dürfen, macht uns aus.
    Menschen aus Afrika gedanklich mit Turbanen auszustatten ist wie Bayern nur in Lederhose und Dirndl wahrzunehmen, schlichtweg beschränkt.
    Fortschrittliches Denken bezieht für mich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit ein.
    Liebe Grüße und schönen Sonntag
    Sabine

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    1. Sabine bringt es auf den Punkt. :))

      Hach herrje wieder nichts verpasst. Aber wenn ich mir Deine Ausführungen genau vor Augen halte, dann fällt mir gerade der passende Titel ein. Bitte verkleiden sie sich JETZT in ...XYZ. Das schönste Kostüm wird prämiert. .....*gg
      Der Look passt sehr gut zu Dir, und ist wirklich stimmig .
      LG heidi

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    2. Liebe Sabine,
      vielen Dank! Die Tasche mag ich auch sehr, für mich ist sie so ein Zwischending aus "Western" und "rockig"...
      Wenn man selbst sich verwurzelt fühlt und davon geprägt ist wie Du, dann ist das doch toll und völlig in Ordnung. Aber meine Frage zielte eher darauf, ob man von außen bestimmte Wurzeln in jemanden hineinprojizieren darf - und da hört#s bei mir echt auf, denn das geht in Richtung Rassismus und ist ewig-gestrig. Ich denke halt an die Generationen, die ich hier besonders erlebe, die ich betreue, die sind in Bayern geboren und aufgewachsen, die Eltern meistens auch, und trotzdem werden sie noch immer tw. behandelt, als wären sie "Ausländer", und das nervt sie natürlich. Mich auch. Nicht jeder, der eine dunkle Hautfarbe hat, fühlt sich in der afrikanischen Kultur beheimatet. Das ist so ewig-gestrig, diese ganzen Unterstellungen.
      Liebe Grüße und eine gute Zeit
      Maren

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    3. Liebe Heidi,
      genau: das beste Kostüm wird prämiert :-DDD
      Ich finde diese doofen Unterstellungen auch total daneben...

      Vielen Dank, ich hab so eine "Western Girl"- Seite, vielleicht sind das meine Wurzeln, die manchmal rauskommen :-) Hihi.
      LG Maren

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  3. Liebe Maren, mir geht es wie Sabine. Ich bin da zwiegespalten. Kann mich an die Sendung nicht erinnern. Habe ich vielleicht nicht gesehen. Aber ich finde das genauso beschränkt wie Du. Zumal die Kinder ja evtl. sogar in Deutschland geboren sind und es sicher noch seltsamer finden würden mit Turban zu laufen.
    Ich weiss auf was Du hinauswillst. Wir fordern Integration, Anpassung und dann kommt sowas. Das passt nicht zusammen. Die Teilnehmer haben wohl keinen Moment nachgedacht.
    Dein Outfit mag ich Maren, die Bluse mit den Rüschen und dem blauen Rock sieht klasse aus zusammen. Schöne Location hast Du gewählt :)
    Wünsche einen schönen Sonntag, liebe Grüße Tina

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    1. Liebe Tina, da muss man ja auch keine "Seite" wählen, ob man sich nun selbst verwurzelt fühlt oder nicht. Wenn Du es tust, finde ich das toll, alles ok, ich mag's nur nicht, wenn man anderen irgendwelche Wurzeln andichtet, die vielleicht gar nicht vorhanden sind, wie Du sagst, 3. Generation in Bayern, und immer noch die blöde Frage: Wo kommst Du eigentlich her? Als wär man der ewige "Ausländer". das nervt.
      Viele Dank! Das Outfit und die Location waren bewusst so gewählt, von wegen "Aufbruch in die neue Welt" und so :-DDDD
      Vielen Dank, eine schöne Zeit Dir, liebe Grüße, Maren

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  4. Du hast schon recht liebe Maren. Warum sollten waschechte Berliner afrikanische Kopftücher tragen, wenn sie sich sonst nie so kleiden? Ich verstehe das auch nicht. Wenn jemand Rastalocken tragen will soll er das tun. Egal woher er kommt. Und wenn nicht, dann nicht. Immer dieses Schubladendenken.

    Dein Look gefällt mir super. Ich finde ja, dass jede Frau Dunkelblau tragen kann.

    Liebe Grüße Sabine

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    1. Das finde ich auch, liebe Sabine. wenn jemand stolz auf seine Wurzeln ist, bitteschön, jeder wie er mag. Aber diese unterstellungen sind einfach doof!

      Vielen Dank! Dunkelblau als Rock oder Hose ist ja ohnehin gar kein "Problem"...

      Liebe Grüße Maren

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  5. Ich glaube schon, dass das, was ich erlebt habe zu meinen Wurzeln gehört. Wenn mir also jemand erzählt, er war vor 30 Jahren in dieser und jener Kneipe, er hat das und jenes getragen, das und das gelernt, sich für jenes interessiert. Diese oder eine andere Musik gehört. Dann hilf es mir zu erkennen, was ich von der Person zu erwarten habe. Was ihn, wie mich geprägt hat, oder eben nicht. Und vielleicht verbindet uns die eine oder andere, gute, gemeinsame Erinnerung. Ich glaube nicht, dass man sich völlig unabhängig davon zu einer "isolierten" Person entwickeln kann. Was aber nicht heißt, dass ich mit jemand der andere Erfahrungen und Erinnerungen hat, nicht gut kann. Wurzeln, Tradition... das ist alles gut und schön. Solange der Mensch sich frei entfalten und entwickeln kann.
    Du weißt doch wie das ist mit den Fremden und Galliern. :-)))
    BG und Gratulation zum coolen Outfit.
    Sunny

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    1. Ja, sicher, das ist bei mir auch weitgehend so. Klar. Aber mir geht's oft so, dass, wenn ich alte Freunde treffe, es mir vielleicht für 30 Minuten Spaß macht, in Erinnerungen zu schwelgen, und dann langweile ich mich. Ich finde es viel spannender, wo jemand hinwill, als wo er herkommt. und auch ich mag lieber über meine Gedanken und Pläne und Träume sprechen, als von dem ganzen ollen Kram, der ja eh schon vorbei ist :-DDDD
      Ach, die Gallier. Irgendwie auch ziemlich unflexibel, die Gudsten.
      Liebe Grüße und Danke!!!
      Maren

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  6. Das ist dir sicher klar, dass die Frage „Woher kommst du?“ zu meinen Leben gehört, seit ich hier in Deutschland bin. Ich habe immer ohne Problem die Frage beantwortet. Klar, antworte ich auf diese Frage mit der Nennung meines Geburtsortes. Tatsächlich spielt dieser, wenn es um meine Wurzeln geht eine große Rolle, das ist auch klar, aber vor allem ist meine Ursprungsfamilie wesentlich für das Verständnis meiner Wurzeln. Dank meiner Eltern und aufgrund meiner Erziehung und Vorbilder bin ich das, was ich heute bin und ich bin verdammt Stolz. Ein Leben ohne Wurzeln würde es für mich eine endlose Suche nach mir selbst verursachen.
    Turban aus Afrika, Dirndl aus München oder winzige Bikinis - „Zahnseiden-Bikini“, Samba und Caipirinha aus Brasilien repräsentieren nicht unsere Wurzeln, sie sind nur Schmuck aus diesen Ländern und du hast recht - Warum sollten Berliner überhaupt "afrikanische Accessoires" tragen?
    Dein Look passt wirklich gut zum Thema und gefällt mir sehr - mit diesem Westernstyle, heute bist du z.B. ein echtes bayerisches Cowgirl, liebe Maren!
    Liebe Grüße,
    Claudia

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    1. Oh ja, das ist mir klar. Wenn man einen Akzent hat oder eine etwas dunklere Haut oder sonstige Attribute, wird man IMMER ständig danach gefragt. Und - so wie Du oder meine griechische Kollegin z.B. - kann man sagen: ich spreche gerne darüber, ich mag die Frage sogar, ich bin dankbar, dass sie gestellt wird, ich bin in meiner Familie/Herkunft/whatever tief verwurzelt. Das ist doch völlig ok. Aber es gibt eben auch menschen, die empfinden die Frage als Rassismus, besonders dann, wenn sie eigentlich gar nicht da "herkommen", wo sie vom Frager eingeordnet werden. Dann müssen sie sich nämlich dauernd rechtfertigen. Gerade Menschen, die eben z.B. "afrikanisch" aussehen. und das finde ich eben ewig-gestrig! Grundsätzlich spreche ich lieber über meine Träume, Pläne, Wünsche, Hoffnungen, als über das, was zurück liegt.
      Vielen Dank, ich hab den Westernstyle heute ganz bewusst gewählt, wie cool, dass Du es erkannt hast :-DDD <3<3<3 liebe Claudia!
      Liebe Grüße
      Maren

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  7. Hallotschi, liebstige Maren!
    Ich gebe dir absolut recht, dass man sich aufs Hirn klatscht angesichts der Aussage bei Shopping Queen, dass die "afrikanischen Wurzeln in den Looks nicht herausgearbeitet wurden". Das ist platt und dumm und unnötig. Ich arbeite meine tschechischen Wurzeln in meiner Kleidung auch nicht heraus - und ja, genau, es wäre ein toller Konter gewesen, die „Jury“-Leute zu fragen, weshalb sie ihre Ossi-Wurzeln nicht herausgearbeitet haben :)) Angolanische Tracht sieht übrigens so aus: https://www.alamy.de/afrika-angola-benguela-gruppentanze-in-traditioneller-tracht-image60565761.html
    Die Frage "Wo kommst Du eigentlich her?" stelle ich allerdings immer wieder mal – bzw. ich frage meistens „Woher stammt deine Familie ursprünglich?“. Du kennst mich gut genug um zu wissen, dass ich das nicht aus Rassismus mache oder um einen Menschen an seiner Herkunft festzumachen. Es interessiert mich einfach. Vielleicht war ich in diesem Land schon oder vielleicht möchte ich über dieses Land mehr erfahren – definitiv möchte ich über den Menschen, den ich das frage, mehr erfahren – und das kann und tue ich, indem ich mich auch für seine Vergangenheit bzw. seine Wurzeln interessiere. Wenn als Antwort käme „Ach, frage nicht“, würde ich zu fragen aufhören, aber meine Erfahrung ist, dass die meisten Menschen mit mir gerne über ihre Herkunft sprechen.
    Als ich „Wurzeln“ las und dann „Afrika“ musste ich gleich mal an die TV-Serie „Roots“ aus den 1970ern denken. Ich weiß nicht, ob du Roots jemals gesehen hast - das Filmepos erzählt jedenfalls die Geschichte von insgesamt sieben Generationen einer afroamerikanischen Familie, beginnend um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Kunta Kinte hieß der erste dieser Familie, der als Sklave verschleppt wurde - die Ur-Wurzel quasi – ein stolzer, starker Bursche, den die Sklavenhändler und später seine „Besitzer“ zu brechen versucht haben – was ihnen nie ganz gelang, selbst dann nicht, als sie ihm einen Fuß abhackten, um ihn am Fliehen zu hindern. Den folgenden Generationen bedeutete es einiges, ihre Wurzeln zu kennen – zu wissen, dass sie von einem stolzen und (innerlich wie äußerlich) starken Afrikaner abstammten. Und ich denke, in diesem Fall sind Wurzeln (und das Wissen darum) auch tatsächlich sehr hilfreich. Mehr darüber kannst du hier lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Roots_(Fernsehserie)
    Auch sonst hört man oft von Menschen, die sich „entwurzelt“ fühlen – egal, ob sie ihre Heimat verlassen mussten oder ob sie adoptiert wurden und nicht wissen, wer ihre leiblichen Eltern sind. Wurzeln können also notwendig sein, vor allem für Menschen, die in sich selbst einen sicheren Ort benötigen.
    Wenn man hingegen keine „Ahnenreihe“ oder kein Land hat, mit denen man sich verbunden fühlen möchte, ist es besser, man kappt seine Wurzeln. Dann kann man sich wohler fühlen in der selbstgeschaffenen Welt und vermutlich auch freier. Ganz wie du sagst – Treibholz hat keine Wurzeln, braucht auch keine. Kann sein, dass es irgendwo angeschwemmt wird und sich dort dann so wohl fühlt, dass es bleibt.
    Dein Outfit passt wunderbar zu dem Pferdeanhänger! Wildwestlook pur. Und den dürfen wir alle zum Glück auch tragen, wenn unsere Wurzeln nicht in den USA liegen. (Wobei – das tun sie bei den meisten Amis ja sowieso auch nicht, wenn man ganz tief gräbt ;-))
    Liebe Rostrosengrüße
    🌸🌺 Traude 🌺🌸
    https://rostrose.blogspot.com/2020/05/corona-extra-5-think-positive-so-viele.html

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    1. Hallotschi liebste Traude,
      Ich werde in meinem Berufsalltag so oft mit dieser Frage nach der Herkunft, dem "Background" und dem "Migrationshintergrund" konfrontiert, auch bei Kindern in der 3. Generation in Deutschland, da denke ich mittlerweile, diese "amerikanische" Sichtweise (wer in den USA geboren ist, ist Amerikaner, und basta) ist die bessere. Mir ist schon klar, dass dies dort auch keine Probleme löst, aber das europäische Modell ist mir noch unsympathischer, da ist man ja selbst nach Generationen noch immer irgendwie "Ausländer" - das meine ich. Wenn sich jemand gerne mit seinem Familienstammbaum beschäftigt und gerne darüber spricht, alles super. Meine Kollegin z.B. sagt auch, dass ihr die Frage nichts ausmacht, sie ist halt Griechin (und kann vermutlich ihre Ahnen bis zu Platon verfolgen oder so... :-DDDD). Andererseits hab ich einen jungen Nachbarn, der jahrelang immer wieder gefragt wurde wo er herkommt (seine Eltern sind Tamilen, da sieht man's halt). Er selbst war nur zwei Mal in Sri Lanka und fühlt sich durch und durch als Münchner. Ich hab ihm dann den Tipp gegeben, er soll so tun als verstehe er die Frage nicht und sagen, er komme halt aus Laim (Stadtteil), was sonst. Aber er hat sehr unter dieser Frage gelitten und es hat ihn genervt, dass alle "der Inder" zu ihm gesagt haben. So geht's auch vielen von unseren Kindern, die sprechen nicht mehr die Sprache ihrer Eltern. Aber immer noch werden sie "katalogisiert" mit diesem blöden Migrationshintergrund. Ich als Soz.Päd. sag das jetzt ganz bewusst, pfeif auf political correctness. Integration funktioniert so einfach nicht. Vielleicht hab ich das deshalb etwas "radikal" geschrieben, aus meiner Sicht halt, und dabei diejenigen vergessen, denen ihre Wurzeln wichtig sind.
      Natürlich kenne ich Roots, das war doch DAS Mega-Thema in den 70 ern. Als ich Kind war, saßen alle gebannt vor der Glotze, ich kann mich dunkel erinnern, dass es auch in den USA der Schocker war und alle über die Serie gesprochen haben...
      Deshalb auch das Outfit und der Pferdeanhänger, der "Künstler" wollte damit den Aufbruch in die neue Welt, go West etc. symbolisieren. Leider ist die Achse gebrochen, wie man sieht. hat also nicht geklappt. Auch an den verschiedenen "Wurzeln" bzw. dem nicht friedlichen Zusammenleben gescheitert, wie immer halt. Diese ganzen beschissenen Kriege, was wären sie ohne diese Nationen/Wurzel/Herkunfts/Rasse/Religion-Themen?
      Puh, ich hör schon auf... :-DDDD Sorry, wenn ich mich einmal in Rage rede :-)))
      Liebe Grüße 🌺🌸!!!
      Maren

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  8. Bin grade froh die Sendung nicht gesehen zu haben, hätt mich ja gar nimmer eingekriegt und vor mich hin getoddert.
    Deine Bluse ist entzückend. :) Ein hübsches Outfit wieder.

    Liebe Grüße

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    1. Ja, die waren echt von gestern. Das gibt's auch in der Großstadt wie Berlin, kaum zu glauben.
      Vielen Dank! :-)

      Liebe Grüße

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  9. Wurzeln, das ist in meinen Augen nicht ein Landstrich, aus dem ich komme. Wurzeln sind viel mehr: Werte und Kultur. Mit Kleidung hat das, wenn überhaupt, nur am Rande zu tun. Wurzeln finde ich für mich wichtig. Wurzeln habe ich gebraucht, um zu wachsen. Aber glücklicherweise bin ich kein Baum - ich kenn meine Wurzeln einfach an einer Stelle neu eingraben, an der ich sie gerne hätte :-)
    Liebe Grüße
    Fran

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    1. Nein, mit Kleidung hat das nichts zu tun. Und ich frage mich, wieso manche Menschen immer gleich am Äußeren eines anderen Menschen erkennen kann, wo er geboren, aufgewachsen, verwurzelt ist...? Wäre schön, wenn ein jeder das selbst entscheiden könnte.
      Deine Sichtweise ist mir sehr sympathisch.
      Liebe Grüße
      Maren

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  10. Liebe Maren,
    ich möchte mich meiner Vorgängerin anschließen, sie hat es auf den Punkt gebracht. Soll das Äußere und Sichtbare die Essenz sein? Nein.

    Weder das Aussehen noch ein Punkt auf der Landkarte können etwas Wichtiges über mich sagen. Kann die Hautfarbe, der Akzent oder der Name einer Stadt oder eines Landes etwas darüber sagen, wer ich bin? Wie stark ich verwurzelt bin? Bin ich überhaupt verwurzelt? Meine Wurzeln haben mit Werten und Kultur zu tun und vor allem damit, wie stark verwurzelt ich mich innerlich fühle.
    Wenn ich nur das Wort Familie oder Wurzeln höre, was bewirkt das in mir? Fühle ich Wärme und meine Augen leuchten oder spüre ich kein Boden unter den Füßen und fühle mich leer und unbedeutend?

    Wenn das Zweite der Fall ist, was nutzt mir meine Kleidung, Titel oder Anwesen?
    Wenn das Erste der Fall ist, kann die Art, wie ich mich kleide und meine äußeren Werte das nur unterstützen, aber in Wirklichkeit brauche ich es nicht.
    Meine Wurzeln nehme ich überall mit, denn sie sind in mir.

    Liebe Grüße, Grażyna

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    1. Liebe Grażyna,
      Du hast das jetzt so schön zusammengefasst, eigentlich wäre Dein Kommentar der treffendere Post gewesen :-)))

      Denn ich sehe es wie Du. und was noch dazu kommt, ich mag es nicht, wenn von außen etwas auf menschen projiziert wird, wenn ihnen eine Herkunft, ein "Migrationshintergrund" angedichtet wird. In meinem Job höre ich sehr oft, dass man diesen und die Wurzeln, den Background niemals vergessen sollte. Manchmal, wenn mir so ganz rebellisch zumute ist :-), denke ich heimlich, dass es vielleicht für alle Beteiligten nicht nur einfacher, sondern auch befreiender wäre, wenn man diese Wurzeln mal kurz vergessen KÖNNTE, denn möglicherweise würde man dadurch verhindern, dass Menschen ständig in diese Schemata gepresst werden. das hat nichts mit Gleichmacherei zu tun, das will ich (ausgerechnet!) ganz bestimmt nicht, aber es sollte verhindern, dass man automatisch diese Vorurteile im Denken hat.

      Vielen Dank für diesen tollen Kommentar!

      Liebe Grüße, Maren

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  11. Hallo, liebe Maren,
    Ja, wo kommen wir her und wo sind die Wurzeln. Eigentlich ist das ja, bis auf die vorhergegangene Generation eigentlich nicht so wichtig. Wichtig ist, dass ich das Richtige aus dem Leben mache.
    Oder, dass man sich dort, wo man ist, auch wohlfühlen und verstanden und akzeptiert werden kann.
    Dein Outfit übrigens : sehr chic und etwas countrymässig.
    Alles Liebe und eine schöne Zeit
    Gerda
    https://gerdajoanna.blogspot.com/2020/05/neue-ziele.html

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    1. Hallo liebe Gerda,
      manchmal ist es sogar besser, wenn man den so genannten Migrationshintergrund mal kurz vergisst, denn sonst hat man doch wieder diese doofen Vorurteile im Kopf! Und wie Du denke ich, es ist viel wichtiger, wo jemand hin will, d.h., was er aus seinem Leben machen möchte.
      Akzeptanz, Wohlfühlen und Verständnis sind natürlich super wichtig, immer. Nur so kann man sich frei entfalten.
      Danke Dir!
      Auch Dir alles Liebe und eine schöne Zeit
      Maren

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  12. Liebe Maren, bei der Erwähnung von „Shopping-Queen“ war mein erster Gedanke, dass wir heute eine lockere Kost bei dir bekommen. Doch du hast es wieder geschafft, auf ein paar Worten in einer Sendung einen nachdenklichen und aufrührenden Beitrag zu machen. Es gibt es so viele unterschiedliche Betrachtungsweisen und Herangehensweise an diese Frage und wahrscheinlich auch keine wirklich objektive Beurteilung, falls so etwas überhaupt möglich ist. Das Thema „Was uns als Familie verbindet“ bezieht sich für mich auf diese spezielle Familie und nicht auf den Ursprung und die Abstammung – eine Familie kann doch durch gemeinsame Interessen, durch Lieblingsgerichte, durch Musik, durch eine spezielle Tradition oder was auch immer verbunden sein. Diese Gemeinsamkeit kann dabei auch im Widerspruch mit den von anderen erwarteten Wurzeln liegen – das wäre doch auch so, als wenn wir uns als Österreicher im Familienverbund immer jodelnd mit Dirndl und Lederhose zeigen sollten. Das würde dann in vielen Fällen sicherlich der Familie überhaupt nicht entsprechen und somit auch die Familienzusammengehörigkeit keinesfalls widerspiegeln. Danke für diese wirklich nachdenklichen Überlegungen.
    Hab eine wunderbare Woche und alles Liebe

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    1. Liebe Gesa, ja, das kommt oft so harmlos daher... hihi. Aber daran sieht man auch, das selbst so seichte Sendungen es faustdick hinter den Ohren haben, sozusagen ;-)) und dass man aus allem noch was dazulernen kann.
      ich gebe Dir absolut recht, es wäre in Österreich und auch in Bayern schon etwas merkwürdig, wenn man als Familie automatisch jodelnd in Dirndl und Lederhose rumlaufen müsste, weil das von außen "erwartet" wird!
      Danke Dir, hab Du auch eine wunderbare Woche und alles Liebe

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  13. Liebe Maren, ich seh schon, ich verpass da echt was, dass ich noch nie Shopping Queen gesehen habe :) Das ist ja wirklich höchst interessant, was man hier alles präsentiert bekommt! Allerdings finde ich es auch unpassend, dass es Punktabzug gab, nur weil die "Wurzeln" dieser Familie aus Afrika nicht herausgearbeitet wurden - denn ich bin überzeugt, dass Flexibilität und Anpassungsfähigkeit mit zu den Eigenschaften zählen, mit denen man im Leben am besten zurechtkommt. Schließlich ist das einzige was sicher ist, die Veränderung :)
    Die Location, die Du Dir ausgesucht hast, hat mich zum Schmunzeln gebracht und Du siehst richtig elegant aus in Deinem Look - trotz oder gerade wegen der Jeansjacke!
    Liebe Grüße, Rena
    www.dressedwithsoul.com

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    1. Liebe Rena, ehrlich gesagt: nicht wirklich :-))) Und wenn man in Berlin geboren und aufgewachsen ist, ist die Frage, ob man so flexibel und anpassungsfähig sein muss.
      Vielen Dank, als ich den "Pferdewagen" mal sah, dachte ich schon, hier muss ich mal in passendem Outfit wiederkommen :-) Fand ich auch sehr cool :-)
      Liebe Grüße, Maren

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