Sunday Colors: heute mal ein wenig Selbstdarstellung...
Ab und zu - merkwürdigerweise meistens im Herbst - werfe ich einen Blick auf meine Blog-Statistiken und resümiere ein wenig darüber, weshalb ich nach nun immerhin fast zehn Jahren noch dabei bin, Woche für Woche meinen kleinen Sonntagspost zu schreiben, mit allerlei Fotos zu illustrieren und anschließend ins weltweite Netz hinauszuschicken.
Dann denke ich nicht nur darüber nach, was mir das Bloggen ganz persönlich eigentlich "gibt", sondern auch darüber, welches Konzept dahintersteckt, was die schönen - und möglicherweise auch nicht ganz so schönen - Seiten des regelmäßigen Postens und Shootens sind und weshalb ich diesen ganzen Zirkus überhaupt noch veranstalte. Worum geht es mir eigentlich beim Schreiben meiner Posts? Was ist meine Motivation? Und haben diese merkwürdigen Foto-Shootings am Ende vielleicht doch mehr mit Selbstdarstellung zu tun, als mir möglicherweise bewusst ist?
Andererseits: Warum wird Selbstdarstellung eigentlich immer so negativ konnotiert? Ist es nicht völlig legitim, sich zu zeigen, wenn man dabei niemandem auf die Füße tritt? Gibt es so etwas wie ein Verfallsdatum für Blogs? Wann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem es nicht mehr inspirierend, sondern einfach nur noch peinlich wird?
Und in diesem Zusammenhang frage ich mich natürlich auch, was meine sogenannten "stillen" und weniger stillen Leser*innen überhaupt dazu bewegt, sich meine Posts zu Gemüte zu führen. Was interessiert sie? Worüber amüsieren sie sich? Bei welchen meiner Gedanken, Themen und Outfits schütteln sie heimlich den Kopf und rollen mit den Augen? Äh … und will ich das überhaupt wissen? 😂
All diese Fragen und noch ein paar mehr stelle ich mir dann und versuche, möglichst ehrliche Antworten darauf zu finden. Die Statistik gibt natürlich schon einmal ein paar Hinweise. Sie verrät mir beispielsweise, aus welchen Ländern meine Leser*innen kommen, welche Posts besonders häufig angeklickt werden und welche Themen offenbar dauerhaft interessieren.
Spannend finde ich dabei, dass meine COLOR-ENERGY-Reihe über die psychologische Wirkung von Farben lange Zeit zu den TOP TEN der meistgeklickten Posts gehörte, inzwischen aber von der GANZHEITLICHEN FARBBERATUNG längst überholt wurde. Was mir das sagt? Offenbar sind tatsächlich genau die Serien besonders beliebt, in die ich viel Herzblut, Recherche und Arbeit stecke. Und das freut mich natürlich ganz besonders. Denn es bedeutet, dass meine Leserinnen nicht nur hübsche Bildchen anschauen, sondern offenbar auch die Inhalte dahinter wahrnehmen und zu schätzen wissen. Außerdem bestätigt es mir, dass das Thema Farbe nicht völlig zufällig im Namen dieses Blogs gelandet ist.
Interessant finde ich übrigens auch, dass laut Statistik erstaunlich viele Menschen in den USA meine Posts anklicken. Die Vereinigten Staaten stehen inzwischen an zweiter Stelle der Länder, aus denen meine Aufrufe kommen - zahlenmäßig immerhin mit fast einem Drittel der Leser*innenzahl aus Deutschland vertreten. Dicht gefolgt von Frankreich und Singapur, die damit sogar noch vor den deutschsprachigen Ländern Österreich und Schweiz liegen. Und ich muss sagen: das gefällt mir ausgesprochen gut.
Allerdings erzählen Statistiken natürlich immer nur einen Teil der Wahrheit. Ein Klick bedeutet schließlich noch lange nicht, dass jemand meinen Artikel tatsächlich gelesen hat. Und dank der unzähligen Bots, Crawler und sonstigen digitalen Wesen, die sich durchs Internet bewegen, ist mir natürlich vollkommen klar, dass nicht tatsächlich all diese Menschen meinen Blog im vergangenen Monat aufmerksam gelesen haben. Vermutlich waren da auch ein paar Roboter dabei. Und genau deshalb sind eure persönlichen Kommentare für mich so unglaublich wichtig. Ein Klick ist eine Zahl. Ein Kommentar ist ein Mensch.
Und dann gibt es natürlich noch die Frage nach meiner eigentlichen Motivation. Die ehrlichste Antwort lautet: mein fast schon suchtartiger Hang zum kreativen Denken und Schaffen. Ich liebe es, mir immer wieder Neues auszudenken. Ich mag selbst gestellte Challenges. Ich schreibe unglaublich gern. Schon lange bevor es diesen Blog gab, bereits als Kind, habe ich Kurzgeschichten, Songtexte und Gedichte geschrieben. Romane habe ich übrigens immer nur angefangen - nur leider nie beendet. Ihr wisst schon … mein ADS! 😂
Außerdem liebe ich Struktur. Und allein deshalb könnte ich niemals einfach mal einen Sonntagspost ausfallen lassen oder ihn womöglich schon am Freitag veröffentlichen. Das würde nämlich mein gesamtes Leben aus dem Gleichgewicht bringen! Aaaaaah! Allein die Vorstellung! 😂 Nein. Der Sonntagspost bleibt am Sonntag.
Und dann wäre da noch das Thema Selbstdarstellung. Ihr werdet es kaum glauben, aber selbst in mir, der introvertierten KALSARIKÄNNIT-Befürworterin, steckt irgendwo eine kleine Rampensau. 😂 Die hat sich schon in der Schulzeit bemerkbar gemacht, als ich eigene Tanz- und Gesangschoreografien aufführte. Später stand ich als Sängerin meiner eigenen Songs mit Band auf der Bühne und spielte während meines Studiums und in meinen ersten Münchner Jahren mit einem großartigen Gitarristen ebenso eigene Kompositionen.
Noch später erarbeitete ich die Inhalte von Workshops über Farben und Farbpsychologie und hielt sogar einige. Ebenso gestaltete ich eigene Konzepte von Farbberatung, die ich, wie ihr wisst, lange Zeit an die Kundin brachte. Nebenbei schrieb, malte und gestaltete ich Kreatives wie ein Farben-Tarot-Set, Sachtexte über die Energie von Farben, ich malte, schaffte, werkelte und gestaltete im Interieur- und Schmuckdesign und so weiter.
Das soll jetzt bitte keine Selbstbeweihräucherung sein, sondern nur erklären, dass sich so ein gewisses Schema wie ein roter Faden durch mein ganzes bisheriges Leben zieht: ich brauche sowohl das kreative Schaffen (Texten, Komponieren, Erfinden, Werkeln) als auch die Umsetzung (Aufführen, Zeigen vor Publikum, Beraten, Vermitteln). Wobei ersteres inzwischen weit überwiegt. Sprich: so langsam bin ich bereit, die Tür für den Windstoß zu öffnen, der mein wochenlang mühevoll gestaltetes Sandmandala binnen Sekunden zunichte macht, metaphorisch gesprochen.
Heute treibt mich dieser Schaffens-Motor eben zum Verfassen meiner wöchentlichen Kolumne und sogar zum "Fashion-Posing" 😂. Denn ich habe es offensichtlich schon immer geliebt, Menschen zu unterhalten - im Laufe der Jahre hat sich einfach nur die Bühne selbst verändert.. Ganz besonders mag ich es, Emotionen aus Menschen herauszulocken, sie zum Lachen oder Nachdenken zu bringen und manchmal vielleicht auch ein wenig zu provozieren. Immer noch besser als sie zu langweilen.
Deshalb lautet mein diesjähriges Resümee auch: ich werde wohl noch ewig bloggen. Mal ehrlich, was soll ich denn sonst noch machen - in meinem Alter? 😂 Und erst wenn der letzte Post veröffentlicht, das letzte bequeme Senioren-Outfit geshootet und die Statistik nur noch von Bots bevölkert wird, dann werde ich vielleicht feststellen, was die schönste Form von Selbstdarstellung sein kann: nicht darauf angewiesen zu sein, dass jemand zuschaut oder liest - aber sich trotzdem zu freuen, wenn es wer tut. Also: Bühne frei für meinen Sonntagspost. Und der erscheint natürlich am Sonntag. Wo kämen wir denn sonst hin? 😂

Hallo Maren,
AntwortenLöschenda weiß ich jetzt erst mal gar nicht, was ich schreiben soll.
Ich habe eine Schreibblockade. :-)))
Ich weiß aber, weshalb ich deine Posts lese:
- weil du so schön und ehrlich schreibst ( wir bekommen auch die herausfordernden und unschönen Zeiten erzählt, nicht nur die Urlaube usw.), also das Leben eines "echten" Menschen - wobei ich nicht sagen will, dass andere keine echten Menschen sind, naja, aber hauptsächlich von Luxusyachten und- urlauben zu lesen ist irgendwie nicht mein Fall.
- du nimmst uns mit an schöne Orte
- deine Outfits finde ich klasse und farbenfroh, ebenso wie deine selbstgebastelten Schmuckstücke.
- ach , mir würde noch viel einfallen, aber es ist früher Sonntagmorgen...
Du hast in einer Band gesungen, Maren?? und hast eigene Songs gesungen?
Maren, ich bin platt!! Ich liebe Musik, aber singen , von 1000 Tönen treffe ich 2 richtig.
Deshalb singe ich nur im Auto oder allein, oder beim Konzert mit, wenn mich eh keiner hört.
Leute, die singen können und dann auch noch vor Publikum auftreten, finde ich sehr bewunderswert.
Siehste, solche Geschichten liebe ich .
Also, wo kämen wir denn dahin, wenn du sowas nicht mehr erzählen würdest?
Bitte immer schön weiterschreiben. :-))
Dass du nur sonntags veröffentlichst und an keinem anderen Tag, weil du es so gewöhnt bist , verstehe ich.
Ein kleiner Monk ist einfach in jedem von uns. ;-))
Ich habe mir doch das Freddie - Buch von Mary Austin gekauft. Jetzt liebe ich ihn noch mehr.
Liebe Grüße,
Claudia
Du hast noch einen Grund vergessen, liebe Maren. Nämlich, dass Du sonntags für mich schreibst. Was soll ich denn sonntags in aller Früh sonst Interessantes lesen? Also, da ist Dein fesselnder Blog und dann kommt Claudias Kommentar ...
AntwortenLöschenJetzt isses raus, was ich sonntags früh so mache.
Und das mach ich gern! <3
Vor allem interessiert mich dann das Seniorinnen-Outfit noch, das noch kommt - irgendwann. Solang bleib ich dran - hoffentlich...
Also, immer wieder sonntags, so long Maren!
Herzlich <3<3<3
Sieglinde
Auf Deinen Blog gekommen bin ich wegen der Farb- und Figurform-Beiträge. Du hast immer hervorragend illustriert, was in anderen Blogs in vielen Worten beschrieben wurde. Ich bekam Lust auf Farbe und ein Gefühl, was ich tragen kann und möchte. Man könnte sagen , ich verdanke Dir, dass mein Kleiderschrank heute so bunt gefüllt ist.
AntwortenLöschenGeblieben bin ich wegen Deiner Berichte aus aller Welt, München, Deinem Alltag und Deinem Schreibstil, der mich immer wieder zum Schmunzeln bringt. Auch ich möchte Deine anregenden Beiträge am Sonntagmorgen nicht missen.
Beim Kommentieren bin ich eher vorsichtig geworden, eine abweichende Ansicht wird häufig als Unfreundlichkeit oder Beleidigung aufgefasst und beides beabsichtige ich nie.
Ich wünsche Dir einen erholsamen Sonntag, Sula
Ein Klick ist eine Zahl, ein Kommentar ist ein Mensch, schreibst du so zutreffend. Und das sage ich mir auch, denn die Klickzahlen schießen bei mir derart in die Höhe, dass ich nicht mehr daran glauben kann, da liest jemand interessiert meine teilweise sehr textlastigen Posts, sondern da wird KI trainiert. Ergo schau ich mir die Statistik gar nicht mehr an.
AntwortenLöschenWarum ich weiter blogge? Weil mir das Schreiben & Recherchieren Spaß macht und weil der Blog mein Tagebuch bleibt, in dem ich gerne blättere und mich an vergangene Zeiten erinnere, denn mein Leben hat sich sehr verändert.
Und dann freu ich mich total auf neue Blogbeiträge bei allen anderen, weil ich neugierig bin auf andere Leben. Ein Sonntagmorgen ohne „Farbwunder“ ist mir NICHT vorstellbar!🩷
Ich hoffe, das bleibt so, dass du mit deinen Postings gut unterhältst!
Sonntagsgrüße!
Astrid
Schon lange bin ich stille Leserin hier; wie ich dazu gekommen bin, weiß ich nicht mehr. Ich finde alle Themen interessant, besonders die Einblicke in das berufliche Umfeld, Typ- und Farbberatung und nicht zuletzt das Umgehen mit privaten Herausforderungen wie der Pflegebedürftigkeit des Vaters. Besonders die Ehrlichkeit und trotzdem auch immer positive Einstellung in der Darstellung bringen einen weiter, wenn man mal glaubt, mit seinen Problemen "ganz allein auf der Welt" zu sein. Natürlich lese ich auch gern die Urlaubsberichte und das Neueste aus der Heimwerkelei.
AntwortenLöschenHerzlichen Dank dafür und auch für den Mut, sich mit mancher Äußerung angreifbar zu machen.
Sonntagsgrüße von Petra