Sunday Colors: Copy, Paste & Männerlob
Falls ich mich nach meiner aktiven Arbeitszeit, also irgendwann in der Rente, einmal dem Schreiben absurd-komischer Anekdoten aus dem pädagogischen Arbeitsalltag widmen sollte, hätte ich da schon einige Geschichten in petto. Eine, die ich unbedingt noch ausschmücken müsste, die es aber definitiv in meine Sammlung schaffen würde, wäre die folgende.
Oh nein, natürlich ist diese Situation, zumindest offiziell, niemals entstanden. Und falls doch, würde ich sie zum jetzigen Zeitpunkt selbstverständlich nicht veröffentlichen. Ihr versteht schon, was ich meine. Erzählen möchte ich sie euch trotzdem. Einfach, weil die Absurdität dahinter so wunderbar ist, dass man sie sich eigentlich nicht ausdenken könnte.
Stellt euch also vor, eine erfahrene Pädagogin (die beinahe ich sein könnte!) sitzt Woche für Woche mit zwei Kolleginnen, einem Kollegen, der pädagogischen Hausleitung und dem Psychologen in der Teambesprechung. Und bei so ziemlich jeder sich bietenden Gelegenheit passiert Folgendes: Die männliche pädagogische Leitung erwähnt lobend eine ganz bestimmte fachliche Stellungnahme zu einem Kind. Immer wieder.
Diese Stellungnahme ist inzwischen so etwas wie die pädagogische Bibel des Hauses. Ein Musterbeispiel an Fachlichkeit, eine Offenbarung der professionellen Textgestaltung, ein Dokument, an dem sich die pädagogische Welt künftig orientieren wird. Verfasst haben sollen sie der männliche Psychologe und der männliche Kollege. In gerade einmal drei Stunden Arbeitszeit!
Drei Stunden, in denen die beiden sich, wie es scheint, in konzentrierter Gemeinschaftsarbeit der hohen Kunst der pädagogischen Dokumentation widmeten, während die Pädagogin allein mit den Kindern beschäftigt war. So weit, so beeindruckend.
Besonders interessant wird die Geschichte allerdings, wenn man weiß, dass die eigenen Berichte, Texte und Briefe der Pädagogin regelmäßig Anlass zu ausführlicher Kritik bieten. Gerne en Détail, gerne vor versammelter Mannschaft. Hier ein Satz, der nicht gefällt, dort eine Formulierung, die man anders hätte wählen können, und überhaupt sei das Ganze fachlich noch optimierbar.
Kaum ist die Kritik an ihren Texten abgearbeitet, folgt - Tadaa! - zuverlässig der große Auftritt der berühmten Stellungnahme. Man könnte beinahe meinen, die Leitung habe einen inneren Erwähnungszwang entwickelt. Würde man daraus ein Trinkspiel machen - ein Stamperl für jede begeisterte Erwähnung dieses Meisterwerks - lägen nach einer einzigen Teamsitzung vermutlich sämtliche Beteiligten sturzbesoffen unterm Tisch. Was die Qualität der bisweilen ohnehin recht sinnfreien Besprechungen vermutlich nicht wesentlich beeinträchtigen würde. Aber das nur so am Rande.
Nun könnte frau sich fragen, was diese Stellungnahme eigentlich so außergewöhnlich macht. Was haben die beiden Kollegen in diesen sagenhaften drei Stunden zustande gebracht, das die Leitung noch Wochen später derart in Begeisterung versetzt?
Nun ja. Jetzt kommt der kleine, beinahe unbedeutende Haken an der Sache. Die beiden Männer hatten die Stellungnahme nämlich gar nicht selbst verfasst. Das hatte die Pädagogin erledigt. Jedes einzelne Wort. Den gesamten Text. Ursprünglich war das Ganze lediglich als eine Art Formulierungsvorschlag gedacht gewesen. Eine Hilfestellung, ein Entwurf, den die Kollegen als Grundlage für ihre eigene Arbeit verwenden sollten.
Was sie dann ja offenbar auch taten. Sie übernahmen den Text nämlich vollständig. Ohne eine einzige Formulierung zu ändern. Ohne auch nur ein Komma zu verschieben. Und die Leitung war begeistert. Wieder und wieder. Hurra!
Als die Pädagogin ihren Kollegen irgendwann fragte, weshalb sie eigentlich drei Stunden lang allein mit den Kindern hatte bleiben müssen, während die beiden an ihrer vermeintlichen Glanzleistung arbeiteten, bekam sie übrigens eine bemerkenswert ehrliche Antwort: "Wir mussten es ja so aussehen lassen, als ob wir uns selbst was überlegt hätten!"
Frau muss diesen Satz vielleicht einen Moment auf sich wirken lassen. Da hilft eine Mitarbeiterin ihren Kollegen, indem sie ihnen einen fachlich ausgearbeiteten Text zur Verfügung stellt. Die Kollegen übernehmen ihn unverändert, lassen ihn als ihre eigene Leistung erscheinen und erhalten dafür Anerkennung. Die Verfasserin hingegen darf sich weiterhin erklären, rechtfertigen und ihre eigenen Texte kritisieren lassen.
Das ist schon eine ziemlich spezielle Form der beruflichen Wertschätzung. Im Nachhinein könntet ihr und ich natürlich argumentieren, dass die Pädagogin selbst schuld ist. Warum hilft sie auch? Warum liefert sie eine Vorlage für den Fall eines anderen Bezugspädagogen, statt ihre Arbeitszeit ausschließlich für die Aufgaben zu nutzen, die ohnehin schon auf ihrem Tisch liegen? Tja. Vielleicht aus Kollegialität. Vielleicht auch, weil sie nicht grundsätzlich bei jeder Bitte um Unterstützung erst einmal die möglichen Nebenwirkungen für die eigene berufliche Anerkennung kalkuliert.
Schön blöd? Möglicherweise. Andererseits könnte diese Geschichte durchaus als Beleg dafür dienen, dass Frauen sich manche berufliche Ungerechtigkeit eben nicht einfach nur einbilden. Dass es Situationen gibt, in denen frau sich tatsächlich fragen darf, nach welchen Kriterien Leistungen beurteilt und wem sie zugeschrieben werden.
Wobei ich natürlich vorsichtig sein muss. Nicht, dass am Ende noch jemand auf die Idee kommt, hier könnte ein gewisses Ungleichgewicht in der Wahrnehmung männlicher und weiblicher Leistungen vorliegen. Denn selbstverständlich ist das alles nie passiert. Und falls doch, dann waren die Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig. Etwaige Rückschlüsse auf reale Vorgänge wären vollkommen unangebracht. Und überhaupt: Wer weiß schon, ob die Pädagogin die Angelegenheit nicht einfach völlig falsch interpretiert hat?
Schließlich wurde ihr vom Kollegen bereits eine gewisse "Männerfeindlichkeit" bescheinigt. Konkrete Beispiele dafür konnte er zwar nicht nennen, aber das muss ja nichts heißen. Vielleicht sind ihr die entsprechenden Vorfälle einfach entfallen. Oder sie hat sie aus ihrer ganz persönlichen, emotionalen, möglicherweise etwas verzerrten Perspektive wahrgenommen. Wie Frauen nun mal so sind.
Am Ende ist sie vermutlich bloß neidisch darauf, dass die von ihren Kollegen verfasste Stellungnahme beim Chef so großen Anklang findet, während ihre eigenen Beiträge … äh … oops ... jetzt blick ich selbst nicht mehr durch. So als blonde Frau, was soll ich machen. Sollte vielleicht meine Texte künftig vor der Veröffentlichung von meinen Kollegen gegenlesen lassen. Wer weiß, welch ungeahnte fachliche Glanzleistungen sich dabei noch entdecken ließen...
Wobei … Momentchen. Das würde ja voraussetzen, dass ich meine Posts tatsächlich selbst schreibe. Und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, kann ich das eigentlich gar nicht mit letzter Sicherheit behaupten. Vielleicht kopiere ich ja seit Jahren einfach meine eigenen Texte, gebe sie als meine eigenen aus und bilde mir nur ein, dass sie von mir stammen. Ts, ts.

Liebe Maren,
AntwortenLöschenich werde noch verrückt mit dieser Zeitumstellung, jetzt bin ich noch früher wach.
Und alle Schwimmer haben die selbe Idee, deshalb ist es nachher rappelvoll und ich gehe nicht.
Und ich hab glatt gedacht, dass ich noch träume, als ich deinen Post gelesen habe...
Wie gut, dass du dir das alles nur ausgedacht hast, denn in Wirklichkeit würde es so etwas ja niemals geben. :-))))))
Die Arbeit einer Kollegin als seine eigene ausgeben und dann die Briefe der Pädagogin vor versammelter Mannschaft zerpfücken, hahahaha. :-)))))
Nee, das habe ich ja nur geträumt.
Vor allem den Satz:" Wir mussten es ja so aussehen lassen, als ob......" :-))))
Sehr guter Witz.
Hahahahahahahahaha, mein Echo schallt bis in den Wald und zurück, hahahaha.
Ganz klar, dass da eine gewisse Männerfeindlichkeit vorliegen muss, denn das würde die Pädagogin sonst ja alles so einfach hinnehmen. Dem muss ich dann leider zustimmen, zutiefst männerfeindlich.
So, ich glaube, ich bin aus dem Traum erwacht und sehe
eine wunderbare Maren
mit ganz tollem Kaschmirpulli mit wunderhübschem Saum und eine tolle Kette!!
Ich muss doch noch mal zu TK, der liegt leider nur am Ende der Fußgängerzone und wenn ich in der Hälfte bin, verlassen mich meine Kräfte wegen der Menschenmassen und ich flüchte in den Wald.
Tolle Kette und tolle Ohrringe!!! Wie toll die aussehen mit den Goldfäden!
Ach Maren, halt die Öhrchen steif,
liebe Grüße,
Claudia
PS. Der Kommentar kann Spuren von Ironie enthalten.