Colors of Munich: oh very young

Wer hätt's gedacht: München ist jetzt also seit ein paar Tagen grün. Also nicht nur so nur ein bisschen Englischer-Garten-im-März-grün, sondern seit der OB-Stichwahl am letzten Sonntag demokratisch abgesegnet. Und nun ist es offiziell, was ich schon seit Jahren predige: München ist eben wahrhaftig nicht Bayern, sondern eine rebellische Insel im schwarzen Meer - und jetzt also: jung, hip, queer, grün. Ha! 

Klar, irgendwo zwischen Gärtnerplatz und Glockenbach war das natürlich schon länger abzusehen. Aber dass jetzt die ganze Stadt offiziell diesen Vibe bekommt, fühlt sich für mich noch ein wenig merkwürdig an. Aber hey, mia san mia, jetzt erst recht! Vielleicht noch ein wenig nachhaltiger und gendergerechter, aber wer will jetzt überhaupt noch in Berlin wohnen, wenn man auch reich, aber sexy sein kann? Tja, wir sind jetzt fast so cool wie New York (okay, kleiner Scherz!).




Was die ehrwürdige alte Stadt - und mich ehrlich gesagt auch - nur etwas aus der Bahn wirft: der Neue ist jung! Und zwar nicht minimal jünger als ich, sondern oh very young. Diese schockierende Erkenntnis traf mich am Wahlabend eher unvorbereitet und hat mich quasi von jetzt auf gleich vom sorglosen Stadtkind aufs Abstellgleis katapultiert...! Hmmm, bin ich etwa über Nacht von selbst jung und hip zur Zielgruppe für Erfahrungswerte mutiert? Gestern noch als rasende Radfahrerin unterwegs - heute schon als senile Greisin, der man aus Mitleid im Bus einen Platz anbietet - sollte er denn überhaupt fahren...? 

Oh-oh. Bin ich jetzt eine von denen, die möglicherweise bald aus der Mietwohnung gentrifiziert werden, weil die Bude von einem freshen Start-up übernommen wird, das Urban Living für Kreative anbietet? Mit Co-Working-Spaces und Social Gardening? Weil so ganz normal wohnen ja nur was für ewig Gestrige ist, die langsam aber sicher nicht mehr durchblicken? Heißt es jetzt: Alte, geh heim...? Äh, ja, nur: wohin? War's das etwa jetzt...? Bin ich für die Youngsters nur noch cringe...?

Im Gegensatz zu den üblichen alten weißen Männern der Landes- und Lokalpolitik mach ich mich nämlich kein bisschen abschätzig über die Jugend und angebliche "Unreife" des 35jährigen Dominik Krause (so heißt er, der erste grüne OB Münchens) lustig. Immerhin war Hans-Jochen Vogel, der 1960 mit nur 34 Jahren hier Oberbürgermeister wurde, sogar noch ein Jahr jünger. Das vergessen nur die meisten. 

Nein, ehrlich gesagt fürchte ich mich jetzt eher vor Ageism. Vielleicht sollte ich mich also dringend wieder mal ins kulturelle Stadtleben stürzen. Recherchieren, was gerade angesagt ist. Events besuchen, bei denen ich nicht sofort das Bedürfnis habe, mich hinzusetzen und zu fragen, ob es auch leiser geht. Nicht, dass ich irgendwann komplett den Anschluss verliere und meine einzige Kernkompetenz darin besteht, eine MVG-Streckenunterbrechung emotional in fünf Phasen zu durchleben.




Wobei... bei knapp 45 Prozent Wahlbeteiligung (auch wenn das normal für eine Stichwahl sein mag) frag ich mich ohnehin, wie viele Leute sich überhaupt dafür interessieren, was in dieser Stadt passiert. Das finde ich ehrlich gesagt fast erschreckender als jede persönliche Alterskrise. Diese Mischung aus "wird schon irgendwie" und "betrifft mich nicht" ist ja auch eine Art Lebensgefühl. Nur leider kein besonders hilfreiches.

Denn am Ende bleibt München halt doch München. Trotz des Winds der Veränderung braucht's ja nach wie vor Mehrheiten im Stadtrat und die großen Themen sind gleichbleibend zuverlässig wie die nächste Mieterhöhung (und nicht etwa der nächste Bus...!): Wohnen und ÖPNV. Jetzt wieder zur Chefsache erklärt, mit frischem Elan, neuem Gesicht und diesem typischen "Pack ma’s o!". Was irgendwie beruhigend ist... und gleichzeitig ein bisschen wie ein Déjà-vu.

Denn logischerweise war ja das alles ja schon mal Chefsache. Und auch der Vorgänger sowie dessen Vorgänger sind an den bekannten Hürden gescheitert, die in München trotz "Bau-Turbo" so stabil hoch sind wie die Preise auf dem Immobilienmarkt. Trotzdem bin ich auch diesmal optimistisch und blicke hoffnungsvoll nach vorn. Nicht zuletzt, weil ich weiß: Pessimismus und Stagnation machen alt und nur noch mehr Falten. Und die kann ich mir im jungen und hippen München grad wirklich nicht leisten.




(Hoffentlich junges, hippes) OUTFIT:

Pullover: Apricot
Hose: ?? älter
Tasche und Brosche: da Sempre, neu
Schuhe: Saucony (2. Hand, wie neu)

LOCATION:
kleiner Park um die Ecke

Kommentare

  1. Guten Morgen Maren, ☺️ Du willst jung und hipp sein? Ich habe gestern gelernt, dass es eine Instyle Gen Z gibt und wenn Du da reinschaust, also für mich ist der Zug hipp zu sein wohl abgefahren.🤭
    na ja, ich glaube nicht nur der OB ist jünger als wir. Die meisten Ärzte sind es, die Postboten und Paketfahrer, der Bäcker, die Handwerker…. wir sind umzingelt. 😅 Aber gut so. Ich muss schmunzeln, Du hast nicht wirklich Angst vor urban gardening. Da bin ich mir sicher.
    Maren wir sind mal wieder Accessoirezwillinge, nur in anderer Farbe. Die Tasche ist echt super. Meine kannst Du am kommenden Freitag sehen.
    Ich mag Dein Outfit gern, ich liebe grün.💚 Damit rennst Du bei mir offene Türen ein und Du machst echt was her. 😉
    Schön Deine Parkfotos.🌷🪻
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen Sonntag, liebe Grüße Tina

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