Sunday Colors: mein Herz...

...hab ich auch diesmal nicht in Heidelberg verloren, na hört mal. Trotz aller Herausforderungen, die mein ADS gelegentlich so mit sich bringt - so schusselig bin ich dann doch nicht! Und obwohl man mit Fug und Recht behaupten könnte, dass das Beste an meinem Aufenthaltsort Sinsheim die S-Bahn nach Heidelberg ist, konnte ich dieser eigentümlichen Mischung aus Studenten-Burschenschaften, romantischer Selbstverklärung und touristischem Dauerbetrieb noch nie allzu viel abgewinnen, wie ihr ja inzwischen zur Genüge wisst.

Trotzdem lande ich momentan immer wieder dort. Freiwillig zwar nicht, aber immerhin regelmäßig. Und jedes Mal passiert dasselbe: kaum nähere ich mich der Kurpfalz, gerate ich emotional in eine Art inneren Depri-Tunnel. Ihr wisst schon: dieser lange, dunkle am Ende des Lichts... 😂.

Klar rede ich mir jedes Mal ein, dass das nichts mit der Gegend zu tun hat. Dass ich einfach müde bin. Oder von Geburt an melancholisch. Oder zu wenig Kaffee hatte. Aber langsam glaub ich tatsächlich, dass diese spezielle Atmosphäre hier zumindest ihren Teil dazu beiträgt: dieser leicht modrige Hochwassergeruch, umgeben von einer Landschaft, die aussieht, als hätte jemand sämtliche tristen Kastanienbraun- und Tannengrüntöne Deutschlands in einen Farbtopf geworfen. Dazu ein gewisses Grundmisstrauen beigemischt, bei der selbst der morgendliche Brötchenkauf den Charme einer Sicherheitskontrolle am Flughafen entwickelt.

Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein. Vielleicht projiziere ich auch bloß. Vielleicht rufe ich auch genauso in den Wald hinein, und muss mich dann nicht wundern. Aber ich schwöre: der Rhein-Neckar-Kreis besitzt die Fähigkeit, mir innerhalb kürzester Zeit die letzten stabilen Serotoninreste aus dem Leib zu saugen. Ich denke inzwischen ernsthaft darüber nach, dieses Dementoren-Paradies offiziell in Mordor umzubenennen. 



Für alle, die nie tief genug in die Welt von Harry Potter und der Gefangene von Askaban eingetaucht sind: Dementoren sind diese unheimlichen, vermummten Gestalten, die sich von Freude, Hoffnung und Wärme ernähren und dabei - logischerweise - Kälte, Dunkelheit und Verzweiflung hinterlassen. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich überzeugt, dass ihre eigentliche Heimat irgendwo zwischen Heidelberg und Heilbronn liegen muss😂.

Passenderweise zeigt sich die Region natürlich auch diesmal wieder von ihrer besten Seite: kalt, windig und verregnet. Also das übliche meteorologische Starterpaket für emotionale Stabilität, hahaha. Aber ich weiß schon, all mein Genöle hilft ja nix, denn leider gibt es für mich noch einiges zu regeln. Also beschließe ich irgendwann, die letzten Überreste meiner optimistischen Grundhaltung zusammenzukratzen und mich stattdessen mit aller Kraft auf das Positive zu konzentrieren.


Denn natürlich hat Heidelberg auch schöne Seiten. Und zwar wirklich schöne. Soooo schöne. Boah, das wird allmählich anstrengend...! 😂 Der Neckar. Die alte Brücke. Die Altstadt. Das Schloss. Der Philosophenweg. Das ist doch alles ziemlich beeindruckend, oder nicht? Zumindest, wenn man nicht zu nah heranzoomt. Denn bei aller Romantik bleib ich dabei: stellenweise wirkt die Stadt durchaus ein bisschen abgeranzt liebevoll verwittert.

Aber egal. Für heute beschließe ich, Heidelberg einfach mit den Augen einer amerikanischen Touristin zu betrachten. Oh my God, that river is AMAZING! And this bridge? Fabulous! And everything is sooo old! Na also. Geht doch. Expecto Patronum.


Und tatsächlich entdecke ich auf meinem Spaziergang plötzlich doch einige dieser kleinen, besonderen Momente: friedliche Abgeschiedenheit mitten im Trubel, sanfte Provinzseligkeit neben touristischem Chaos, leicht schräge Skurrilität zwischen rotem Sandstein und Studentenromantik. Irgendwo dazwischen entwickelt die Stadt dann plötzlich doch so etwas wie Charme.

Vielleicht ist Heidelberg am Ende einfach wie viele Menschen: anstrengend, kompliziert, leicht überbewertet, aber mit überraschend liebenswerten Eigenheiten, wenn man lange genug hinsieht. Na ja. Was sag ich: angestrengt draufstarrt. Also wirklich lange. Seeehr lange. Puh...


Ob im Depri-Tunnel oder vor rotem SandsteinHauptsache, wir sehen gut aus! 😂









ROMANTISCHES OUTFIT:

Bluse: Kriss Sweden
Sneakers: Saucony 
(beides 2nd Hand, über momox)
Hose: Someday
Sonnenbrille: TkMaxx
Kurztrench: Donna Karan (TkMaxx)
Ring: DIY

LOCATION:

Gääähn...!

Kommentare

Beliebte Posts