Liebes Jahr 2025! Anfangs sah das ja alles noch ganz vielversprechend aus mit dir und mir und ich hatte mir eingeredet, das wird was Ernstes mit uns beiden. Aber dann... je besser ich dich kennenlernte, desto mehr kam mir der Verdacht, dass wir einfach doch nicht wirklich zusammen passten. Sei mir also nicht böse, wenn ich versuche, dich so schnell wie möglich wieder zu vergessen... und nenn mich meinetwegen oberflächlich, aber seit letzten Donnerstag hab ich bereits ein Neues. Es heißt 2026 und ich glaube fest daran, dass es diesmal hinhaut. Na ja... viel schlechter kann's wohl auch kaum werden... 😂

Es ist schon verrückt, wie schnell einerseits so ein Jahr vergeht, und wie viel man andererseits dennoch erlebt in der Zeit. Mein JANUAR war noch voller Hoffnungen und Pläne, und ich dachte, dass ich durch mein aktives Tun vieles zu Besseren wenden könnte. Manchmal macht Agieren auch durchaus Sinn, aber eben nicht immer, wie mir schmerzlich gewahr wurde. Manche Dinge geschehen nämlich einfach - und es bringt nichts außer Energieverlust, sich gewaltsam dagegen zu stemmen.

Im FEBRUAR schuftete und ackerte ich im unbezahlten Urlaub dennoch wie eine Blöde in der "Ferienwohnung", kümmerte mich um meinen dementen Vater und versuchte so nebenher, die mehr oder weniger subtilen Vorwürfe der Leute, die es stets besser wissen, an mir abprallen zu lassen. Was im Nachhinein betrachtet eine Meisterleistung war und mir mal wieder bewies, wie stark ich bin. Aber auch die Erkenntnis, nicht komplett alleine dazustehen, war wichtig und wohltuend für mich. Sowohl meine alte Tante, die ich in dieser Zeit quasi neu kennenlernte, als auch Freunde standen mir mit Rat und Tat, großzügig und unkompliziert beiseite.

Und klar war auch nicht alles schlecht, das ist es ja nie. Der verrückte "Ausnahmezustand", der mich auch im MÄRZ noch gefangen hielt, verursachte ein Versinken in bittersweet memories - eine Art Realitätsflucht, die mehrere Wochen anhielt und obwohl sich natürlich darüber streiten lässt, ob eine solche jetzt gut oder schlecht ist, war sie absolut überlebensnotwendig. Ich wälzte mich in tragisch-schönen Gefühlen und schwebte mit ihrer Hilfe völlig losgelöst durch meinen eher unschönen Alltag.
Der APRIL dümpelte so vor sich hin, und ich merkte erstmals, dass mein stundenreduzierter, so genannter Springerdienst auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei war, zumal ich mehr und mehr wieder in meine alte Arbeitsstelle mit alten Kolleg*innen eingesetzt wurde. Und ich merkte, dass mein Bedarf an Vergangenheit und dem Hervorkramen alter Gefühle einfach in jedweder Form gedeckt war.
Daher entschied ich mich im MAI spontan, für das neue Schuljahr wieder als Bezugspädagogin in Vollzeit zu arbeiten - vielleicht brauchte ich die Zuversicht, doch noch eigene Entscheidungen treffen zu können, wenn auch sonst gefühlt alles den Bach runterging. Liebend gerne hätte ich die Hände in den Schoß gelegt, aber meinem Vater ging es immer schlechter und ich war gezwungen, erneut einen Monat unbezahlten Urlaub zu beantragen, so lange ich noch als Springerkraft arbeitete.
Und so verbrachte ich den halben JUNI und JULI mal wieder in Sinsheim, diesmal richtete ich unter anderem ein Zimmer für die 24-Stunden-Pflege her, die Ende Juli zur Pflege meines Vaters eingestellt werden sollte und versuchte, mein Bestes zu geben, um den Alzheimer-Patienten zu bespaßen.
Und wie das manchmal so ist, war alles ziemlich für die Katz, denn kaum war die Pflegekraft eingestellt, erwies sie sich schon als inkompetente Vollkatastrophe. Sie war knapp zwei Wochen da, brauchte ständig Unterstützung, verlor angeblich Geld, verbreitete Stress und trieb meinen Vater (und uns!) sozusagen noch tiefer in den Wahnsinn! Schließlich wurde mein Vater in eine gerontopsychiatrische Klinik verlegt und wir konnten der Pflegekraft kündigen, um Schlimmeres zu verhindern.
Im AUGUST floh ich für einen Monat nach London und genoss die Anonymität des Großstadtlebens. Es war eine tolle Erfahrung, der englische Sommer tat zudem sein Bestes, um meine Stimmung zu heben. Und dennoch spürte ich die Auswirkungen des bisherigen Jahres in den Knochen, sozusagen. Und in der Seele. Innerlich war ich die ganze Zeit zu sehr auf "Rufbereitschaft", um meinen Urlaub wirklich frei zu genießen... trotzdem erlebte ich so einiges in dieser aufregenden Metropole.
Im SEPTEMBER holte mich die Realität leider unerbittlich wieder ein, meine Tante, die ich erst wieder kennengelernt hatte, wurde sehr schnell sehr krank und starb, aber zum Trauern blieb wenig Zeit. Die Situation mit meinem Vater spitzte sich zu und das Gefühl der Hilflosigkeit kehrte mit aller Macht zurück. Verzweifelt suchten wir einen Heimplatz, was sich wegen der speziellen Bedürfnisse meines Vaters als schier unmöglich erwies, derweil es ihm immer schlechter ging.
Wogegen sich in meinem Beruf vieles zum Guten wendete: zwar stieg ich nun wieder voll ein - Adé, freier Freitag! - aber das passte schon irgendwie. Aber sonst war es, als gleite mir mein Leben aus den Händen, vieles ging schief, es gab einige schlechte Nachrichten und ich kam mir vor wie in einer Art Abwärtsspirale gefangen. Von wegen goldener OKTOBER. Schwarz wäre hier die passendere Farbe gewesen!

Mein Vater blieb ganze drei Tage im endlich gefundenen Pflegeheim, als sich sein Gesundheitszustand rasend verschlechterte und er wieder ins Krankenhaus gebracht werden musste, wo er im NOVEMBER starb. Deshalb verweilte ich mal wieder 3 Wochen in Sinsheim, aber diesmal war alles anders. Natürlich war ich traurig und emotional aufgewühlt, aber vor allem war und bin ich bis heute einfach nur erleichtert. Und wer mir Herzlosigkeit unterstellen mag, bitte, ist mir völlig wurscht. Der ganze Psycho-Druck fiel auf einmal von mir ab. Alles, was danach kam und was jetzt noch kommen mag, ist sozusagen Pillepalle gegen das, was zu diesem Thema hinter mir liegt. Alzheimer ist echt teuflisch, und alle, die damit Erfahrungen gemacht haben, wissen sicher genau, was ich meine.

Deshalb fand ich nach der Beerdigung und nach getaner Arbeit (natürlich gibt es auch nach Todesfällen viel zu tun) noch die Muse, verschiedene Weihnachtsmärkte zu besuchen, weil ich auch nicht recht wusste, was ich im Blog so schreiben konnte und wollte. Das ist ja auch nicht immer so einfach. Aber das eine oder andere Tässchen Glühwein trank ich allein oder in netter Gesellschaft in Gedenken an meinen nun erlösten Vater - und so kehrte am Ende des Jahres endlich Frieden ein. Ende DEZEMBER kehrte ich noch einmal mit meinem Partner in die "Ferienwohnung" zurück, traf mich dort mit der alten Freundin, mit meiner Schwester und meiner Cousine und fühlte mich erstmals wirklich richtig wohl dort.

Trotzdem freue ich mich natürlich, inzwischen wieder in München zu sein und dort hoffentlich mal etwas länger zu verweilen als im letzten Jahr, in dem ich immerhin mehr als drei Monate insgesamt in Sinsheim verbrachte. Dieses Kapitel ist nun hoffentlich bald Geschichte und ich kann wieder nach vorne blicken. Dennoch würde ich sagen, ich habe viel daraus gelernt. Zum Beispiel LOSZULASSEN.
Willkommen, liebes neues Jahr 2026!
Ich denke zwar in Dankbarkeit zurück, aber dennoch:
2025 war so ziemlich für die Tonne.
Schwamm drüber - auf ein Neues!
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| Blick vom Balkon am 3. Januar 2026 |
Liebe Maren, loslassen, das ist tatsächlich das Beste, was Du machen kannst. So aufgelistet ist Dein Jahr ja noch viel intensiv-schlimmer als ich es mir gedacht habe nach Deinen bisherigen Blog-Beiträgen.
AntwortenLöschenGleich 2 Todesfälle in kurzer Zeit mit unterschiedlichem Erleben, lange und tiefgehende Aufenthalte in Sinsheim und "nebenbei" auch noch berufstätig...
Du hast innerlich und äußerlich Schwerstarbeit geleistet in 2025.
2026 wird sich nun heller und leichter zeigen.
Das wünsche ich Dir von ganzem Herzen! <3
Sieglinde
Oh Maren,
AntwortenLöschenfühl dich mal herzlich gedrückt von mir!
Da hast du einiges an emotionaler und körperlicher Schwerstarbeit geleistet. Hoffentlich kannst du jetzt was zur Ruhe kommen, kannst du dir die Zeit nehmen, die du brauchst?
Die ständige Anspannung und HabAcht-Stellung kann jetzt wohl hoffentlich erst mal wegfallen. Was jetzt zu tun ist, kann vielleicht warten?
Wir oder ich haben's ja "gefiltert" durch deine Blogbeiträge mitbekommen.
Der Wahnsinn, der sich direkt bei dir abgespielt hat, den will ich mir nicht vorstellen.
Alles Liebe für dich, Maren
und ein gutes Neues Jahr,
das wünscht dir
Claudia
Guten Morgen Maren, dann wünsche ich Dir von ganzem Herzen ein gesundes fröhliches entspanntes und buntes 2026.🐽🍀💕 Das wird so kommen. Es hat sich 2025 viel bewegt und gefügt. Wobei das arme 2025 wohl nix dafür kann, dass wir jetzt alte Eltern haben, sodenn wir sie noch haben. Ich finde die Verpflichtungen wachsen diesbezüglich und ich überlege oft, wie das mit meiner Mama mal wird und wie verpflichtet ich mich fühle, da ich eigentlich nicht bei ihr gelebt habe. Ich neige nicht dazu Menschen zu verurteilen, weil sie erleichtert sind, wenn ein Elternteil gegangen ist. Und genau es ist schnuppe, wenn es jemand tut. Eine Erlösung, das hast Du richtig gesagt. Mein Beileid kommt dennoch von Herzen.💕
AntwortenLöschenAuf ein schönes buntes neues Blogjahr, ich hoffe Du hast weiterhin Freude deine schönen Looks und Ausflüge und Gedanken mit uns zu teilen.🥂 Liebe Grüße Tina
Das alles in einem einzigen Jahr ist wirklich heftig, liebe Maren. Du bist echt eine starke Frau, aber man lebt sich ja in die Misere ein, gell? Dein Vater ist erlöst, wie du schreibst, du kannst das Negative hinter dir lassen und an die (hoffentlich) schönen Zeiten mit ihm denken - bzw an das "Prinzip Papa", wie man es sich wünscht...
AntwortenLöschenEin neues und wunderbares Jahr steht dir offen, in dem du auch das alles verarbeiten kannst! Das wünsche ich dir, alles Liebe
Liebe Maren ich lese gerne deinen Blogg auch wenn ich nicht immer schreibe. Ich bin 60+ und kann nachvollziehen was es bedeutet einen engen Angehörigen zu haben mit Diagnose Demenz. Es steht auch niemanden zu jemanden zu verurteilen, es kann sich jediglich jemand eine eigene Meinung bilden. Ein wirklich herausforderndes Jahr in allen Bereichen, welches du durchgemacht hast.Mir klingt noch heute in den Ohren wie so mancher diese Worte von sich gibt: Ich hoffe, dass ich die Erkrankung Alzheimer nie bekommen werde, dass wünsche ich mir nicht, da möchte ich lieber vorher sterben. So die Worte.....ich möchte dir auch mein Beileid ausdrücken und von Herzen wünschen, dass das Neue Jahr 2026 viel Gutes und vor allem Gesundheit und Glück bringt glg Dunja
AntwortenLöschenZum Tod deines Vaters möchte ich dir noch mein Beileid ausdrücken ( ich hatte es nicht mitbekommen ). Dass du dich erleichtert gefühlt hast, kommt mir sehr bekannt vor, war ich es doch auch, nachdem meine Mutter gestorben war. Für deren Glück hatte ich mich zeitlebens verantwortlich gefühlt...
AntwortenLöschenDass frau sich noch so sehr aktiv bemüht und sich dennoch das Leben so ereignet, wie es sich ereignet - das war auch ein großes Thema während der letzten 5 Tage bei meiner Tochter in M. Gehörte ich doch einer Generation an, die alles für machbar hielt, wenn sie sich der Ratio bedient und sich anstrengt & bemüht. Pustekuchen! Manchmal könnte mich fast das Gefühl beschleichen: Alles vergebens angesichts der politischen Entwicklung im wie außerhalb des Landes.
Ich bin inzwischen fast so was wie demütig geworden. Vielleicht hat mir deshalb auch der Besuch im Freisinger DIMU so viel gegeben, so viele Sinneseindrücke, Gedanken, Inspirationen. Vielleicht war meine katholische Sozialisation doch zu was nütze. Zumindest um die traurigen Dinge zu ertragen & zu verarbeiten, die mich in den vergangenen 10 Jahren ereilt haben. Warst du schon mal dort?
Für das Neue Jahr wünsche ich dir alles Gute, privat wie bei deiner Arbeit!
Herzlich
Astrid
Ohja, das vergangene Jahr hat dir sehr, sehr viel abverlangt. Deine Soll-Seite ist bedient, jetzt kommt die Haben-Seite dran..... Ich wünsch dir alles erdenklich Gute- ganz viel von allem, was dich glücklich und zufrieden macht und Freude ins Leben bringt!
AntwortenLöschenEinen Menschen durch eine schwere Krankheit und schlussendlich in den Tod zu begleiten ist eine Aufgabe, die kräftezehrend und über alle Massen traurig ist. Ich habe es mit meiner Mutti erlebt, die 4 lange Jahre gegen ihr Pankreas-Carzinom gekämpft hat. Sowas prägt einem für den Rest des Lebens. Man verliert in solchen Zeiten ein Stück seiner Unbeschwertheit und manchmal auch den Glauben, dass alles wieder gut werden könnte.
Aber es wird wieder gut. Und umso schöner ist dann die wiedergewonnene Ruhe und Gelassenheit und der Freiraum, der sich wieder auftut.
Ja, es hört sich für unbeteiligte Menschen sicher herzlos an, wenn man dem Verlust eines lieben Menschen mit einer gewissen Erleichterung begegnet. Aber wer so etwas einmal mitgemacht hat, der hat grösstes Verständnis dafür.
Alles Liebe und Gute dir, Maren, herzliche Grüsse!
Für 2026 wünsche ich dir alles Gute 💗
AntwortenLöschenTrauer und Erleichterung liegen oft nahe beieinander wenn man durch Krankheit nahe Angehörige verliert. Mein Beileid Maren.
Du hast sehr viel geleistet, einiges davon konnten wir das Jahr über bei dir lesen.
Loslassen, etwas das sich leider immer wiederholt. Je älter ich werde, um so öfter taucht es auf, leichter wird es wahrscheinlich nie.
Liebe Grüße zu dir
Maren Du hast es doch trotz allem gut hinbekommen. Und das mit dem Freitag kannst Du ja für Dich verwenden das Mehrgeld gleich mal auf die Seite legen.
AntwortenLöschenDa ist niemand böse, wenn mann dankbar ist, dass der jenige Mensch nun erlöst ist. Meine Tante veetiert bereits mehrer Jahre im Altenheim vor sich hin Altzheimer und Parkinson. Das ist so schlimm.
Eine gewisse Leichtigkeit die wünsch ich Dir.
Liebe Grüße
Ursula
Das vergangene Jahr hatte es wirklich in sich. Ich kann verstehen, dass du froh bist, es hinter dir zu lassen. Und ich verstehe auch, dass du erleichtert bist. Für 2026 wünsche ich dir alles Gute. Es kann nur besser werden ❤️
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Sabine
Liebe Maren,
AntwortenLöschenich schmarotzer schon lange bei Dir herum, aber heute muss ich doch mal was rauslassen. Dieser Jahresbericht haut mich um! Dass Du das alles geschafft hast - einfach unglaublich! Ich hätte es nicht geschafft - naja, bin jetzt 70+, aber vor 10 oder 20 Jahren - nö, glaub ich auch nicht.....
In Einem hast Du sicher recht: Du bist eine unfassbar starke Frau! und auch wenn`s ein bisschen zynisch klingt: aus der ganzen Sch...kannst Du jetzt herausgehen in der Gewissheit, dass Dich eigentlich gar nichts umhauen kann...😅
Ich wünsche Dir als wohlverdienten Ausgleich ein wundervolles Jahr 2026, einen 6-stelligen Lottogewinn, Höhenflüge in der Liebe, tsts...aber eigentlich und vor allem: Glück und Zufriedenheit!
Herzlich! Gila