Colors of Munich: die radelnde Acht durchs Idyll
Genau, ihr habt richtig gelesen: keine liegende Acht, sondern eine radelnde. Meine Lieblingsrunde beginnt nämlich direkt vor der Haustür und somit kann ich jederzeit, auch zwischen Suppe und Kartoffeln, ohne Packen oder Planen einfach "acht"-sam aufs Rad steigen und losrollen. Manchmal ist die Acht auch ein Kreis, aber streng genommen nur dann, wenn ich mich mit halber Schönheit zufriedengebe. An so einem herrlichen Frühlingstag wie heute fahre ich natürlich die ganze Acht.
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| Damit ihr versteht, was ich meine... |
Ganz nebenbei radelt man hier übrigens an einem Stück bayerischer Geschichte entlang: das Schloss wurde im 17. Jahrhundert als Sommerresidenz der Wittelsbacher erbaut und ist heute eines der größten Barockschlösser Europas. Unweit der Stelle, an der ich nun gemütlich dahingleite, hat früher der Adel flaniert. Die Zeiten ändern sich, und mit ihnen zum Glück auch Lifestyle und Outfit, aber das Tempo darf auch heute noch entspannt bleiben.
Wenn ich die Fotos im nachhinein so betrachte, würde ich wohl vieles damit assoziieren, nur nicht "Willkommen in der Großstadt!". Und doch ist man hier mittendrin und gleichzeitig eben trotzdem in der Natur. Links das erste satte Grün, rechts rascheln Bäume im leichten Wind. Ich fahre über Wasser, das friedlich unter der kleinen Brücke dahinplätschert.
Und heute ist einer dieser Tage, an denen alles zusammenpasst. Die Sonne steht warm, aber noch sanft am Himmel, die Luft riecht nach Aufbruch, nach frischem Grün, nach Frühling. Und während ich so dahinradle, wird mir etwas bewusst - dieses Gefühl hier, das ist eigentlich Urlaub. Nur ohne Stau, Anfahrt oder Warteschlangen. Stattdessen dieses leise, fast luxuriöse Gefühl von Freiheit. Ich kann jederzeit hier sein. Immer dann, wenn mir danach ist. Vielleicht ist genau das das größte Privileg: nicht nur an einem schönen Ort verweilen, sondern ihn ganz selbstverständlich in den Alltag einweben zu dürfen.
Der kleinere Bogen meiner Acht führt mich nach Moosach-Hartmannshofen. Ein Viertel, das ich immer schon heimlich "Bullerbü" nannte, seit ich es entdeckt hatte, und ich bleibe dabei: treffender könnte man es nämlich nicht beschreiben. Hier stehen keine protzigen Villen, sondern charmante kleine, zum Teil sogar noch unrenovierte Häuschen mit eingewachsenen Gärten, die aussehen wie in Kinderträumen von Kirschbäumen und heiler Welt.
Alles gruppiert sich um ein kleines Hölzl - eine Art Mini-Wald, der wirkt, als wäre er zufällig stehen geblieben, während München drumherum gewachsen ist. Ab und zu rauscht in der Ferne eine S-Bahn vorbei, wie ein leiser Hinweis darauf, dass die Großstadt doch nicht ganz verschwunden ist. Aber sonst? Ruhe. Idylle. Hier würde ich definitiv wohnen wollen, wenn ich im Lotto gewinne...
Der untere Teil der Acht führt mich wieder zurück Richtung Schlossmauer, diesmal in Richtung Botanischer Garten. Es ist fast erstaunlich, wie ruhig es hier bleibt, zumindest bis zu dem Moment, an dem man um die Ecke zur "Vorderseite" des Schlosses biegt.
Aber dann plötzlich - Tadaa! Das Schloss liegt da und präsentiert sich wie ein perfekt inszeniertes Gemälde. Davor: Menschenmassen, Kameras, Reisebusse, Autoschlangen... ich mittendrin, auf meinem Fahrrad, in einer Art Slalomlauf zwischen all den Besuchern, bemüht, keinen zu überfahren.
Wohl in einem Anfall von Romantik ließ der Kurfürst Ferdinand Maria das Schloss übrigens im Jahr 1664 für seine Frau bauen, zur Feier der Geburt ihres lang ersehnten Sohnes. Na ja, die einen bringen Blumen mit, die anderen bauen Schlösser. Eine Geschichte, die direkt aus "Bridgerton" stammen könnte. Was damals allerdings noch eher überschaubar war, wurde über die Jahre immer protziger, München halt.
Generationen von Wittelsbachern haben quasi am Schloss herumgeschraubt, es erweitert, verschönert, und so entstand nach und nach diese weitläufige Anlage mit Park, Kanälen und kleinen Schlösschen drumherum. Als fast schon ironische Pointe der Geschichte wurde genau hier natürlich Ludwig II. geboren, der Kini, der später selbst für seine märchenhaften Schlösser berühmt wurde. Wer hier aufwächst, bekommt wohl einfach gewisse Ideen.
Bevor ich endgültig dem Trubel entkomme, gönne ich mir noch einen Halt beim Café am Schloss. Kuchentechnisch betrachtet nämlich ein unverzichtbarer Teil der Strecke. Die Auswahl ist jedes Mal klasse, und heute wird es ein Aprikosendatschi. Eingepackt, verstaut, und weiter geht’s.






Ach Maren, so schön geschrieben und bebildert! Eine tolle Acht fährst Du da und tatsächlich ist es genauso wie Du schreibst: Urlaub im Alltag ist möglich, wenn man "acht"sam unterwegs ist.
AntwortenLöschenDie Gegend kenn ich und es ist einfach erstaunlich wie ruhig es dort sein kann, und wie viel los ist, vorm Schloss und im Park Nymphenburg.
Wir haben eine ähnliche Runde, unsere "Sonntagsrunde", die wir meist vor 10 Uhr fahren, weil es dann noch ruhig ist im Park, den wir durchqueren. Diese Runde lieben wir. Sie geht durch die Natur, den Marienberg-Park, gemütliche Wohnviertel und wir fahren immer direkt von zu Haus los und immer im Uhrzeigersinn.
Dein Radloutfit ist auch so fesch-gemütlich wie Dein Radachter. Passend zu Schloss und Umgebung. Sehr schön!
Herzlich,
Sieglinde
Vielen Dank. Sieglinde! Ja, da stellen sich Gewohnheiten ein, auch bei den "Radelrunden"... das ist gut für "zwischendrin", dann muss man sich nicht groß Gedanken machen... eure Sonntagsrunde hört sich auch gemütlich an...!
LöschenHerzlich, Maren
Hach wie schöööön. Dein Schlusssatz ist sooo süß. Das stimmt, oft muss man nicht weit. Du wohnst in perfekter Lage. Ich habe das Radeln mit Dir sehr genossen. Tolle Fotos.
AntwortenLöschenDein Outfit von Momox gefällt mir sehr, ich bin immer wieder überrascht, was für tolle Sachen es dort gibt.Für mich, nach meinem Schrank, jetzt meine erste Suche. Nur wenn ich dort nicht finde was ich mir vorstelle, kaufe ich neu. Du trägst grade das gehypte Modell für 2026 von Adidas und die verkürzte Strickjacke ist mega.😁 Und ich liebe Deine gelbe Tasche. 💕
Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag, liebe Grüße Tina
Ja, ich wohne nah an schönen Spots...
LöschenHabe gerade wieder was bestellt und peppe so meine Frühlings-Garderobe etwas auf...
Oh, wunderbar, wenn ich zufällig auch noch trendy bin :-DDD
Danke, eine schöne Woche dir, liebe Grüße Maren
Ja, München ist so verwirrend unterschiedlich. Das kann frau sich gar nicht vorstellen, wenn man am Bahnhof bzw. dem Viertel drumherum ankommt wie gestern wieder mal. Das Schloss kenn ich, aber dann hört es schon auf. Die ländlichere Idylle dahinter kann ich mir vorstellen, denn ähnliche Ansiedlungen suche ich ja in K. auch immer mal auf.-
AntwortenLöschenMomox bisher übrigens nur zwecks Bücherkauf. Langsam macht ihr mich neugierig…
Sonntagsgrüße!
Astrid
Das stimmt, die Gegend um den Bahnhof sieht ganz anders aus... und da gibt's noch richtige Brennpunktviertel, die noch viel abgeranzter sind :-)))
LöschenMomox ist erstaunlich vielseitig, was Kleidung angeht.
Dienstagsgrüße!
Maren
Den Park fast vor der Haustüre zu haben, ist wirklich traumhaft. Da würde ich auch immer die ganze Acht mitnehmen! Das du da auch noch leckeren Kuchen abgreifen kannst, macht die Sache noch besser. Das fehlt hier bei den Waldwegen leider völlig. Dafür bekommt man mit viel Glück mal einen Rehhintern zu sehen. Touristenmassen hingegen gar nicht 😄.
AntwortenLöschenLiebe Grüße!
Stimmt. Der Kuchen ist das Highlight.
LöschenRehhintern sind doch auch nicht zu verachten... das ist dann so richtig ländlich.
Liebe Grüße!
Ja, jetzt beginnt wieder die Radlsaison. Irgendwie hat sich das bei uns noch nicht ergeben und die E-bikes harren noch auf den ersten Saisoneinsatz...aber vorher nochmals nach Hochgurgl zum Schiurlaub. Einen wunderbaren Ausflug hast Du uns da gezeigt, liebe Maren. Und mit dem Rad kommt man ja auch ziemlich schnell voran. Man möchte gar nicht glauben, was bei einer Großstadtradltour alles -von Natur zu historischen Gebäuden- zu sehen ist. Da bekommt der Begriff Achterbahn radlmässig eine neue Bedeutung.
AntwortenLöschenWünsche Dir eine gute Zeit und ganz liebe Grüße...und mache eine (kleine?) Blogpause
Violetta
Ja, ich hab auch lang gewartet, bis ich das Rad endlich rausgeholt hab. Hat sich heuer noch nicht so ergeben, wettertechnisch. Oft ist es gerade in der Stadt erstaunlich, welche Natur-Ecken es gibt...
LöschenDir eine gute Zeit in der Blogpause, liebe Grüße Maren
Your second-hand outfit looks fantastic and seems just right for a stylish yet comfortable day on the pedals. It really is a wonderful reminder that the best vacations are often the ones we can integrate right into our daily lives without any of the travel stress. Enjoy that beautiful spring weather while it lasts!
AntwortenLöschenThank you, Melody. At the moment spring seemed to say goodbye again... but not für long I'm sure. :-))
LöschenDu machst mir richtig Lust aufs Radl zu steigen (ich muss zugeben, schon laaange nicht mehr Rad gefahren zu sein, das Ding verstaubt in der Garage). Du hast dir eine wirklich schöne Runde gefunden, noch dazu, wenn sich ein liegender Achter ergibt... fast wie Artemis II, nur haben die den Achter um den Mond gedreht. ;-))
AntwortenLöschenEine schöne Woche, lg
Danke! Vor allem ist es kein großer Aufwand, das mag ich nämlich auch nicht... aber ehrlich gesagt bin ich heuer noch nicht viel geradelt, das Wetter macht mir oft einen Strich durch die Rechnung... :-)) Bis zum Mond ust's vermutlich etwas zu weit :-)))
LöschenDanke, das wünsch ich dir auch! lg
So eine schöne Tour liebe Maren. Es ist einfach traumhaft, das direkt vor der Haustür zu haben. Wie ein kleiner Urlaub. Wir haben gestern auch das erste Mal unser Rad aus der Garage geholt. War zwar noch ein bisschen kalt, aber das kennen wir hier oben ja nicht anders.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Sabine
Danke, liebe Sabine!
LöschenJa, und windig ist es bei euch ja auch oft. Dafür gibt es nicht so viele Steigungen :-DDD
Liebe Grüße
Maren
Eine „radelnde Acht“, ein kleiner Urlaub mitten im Alltag, wie schön ist das denn bitte? 😊💛 Dieses Zusammenspiel aus Natur, Geschichte und Großstadt hat wirklich seinen ganz eigenen Zauber. Und dein „Bullerbü“- nur herrlich… „Ruhe. Idylle. Hier würde ich definitiv wohnen wollen, wenn ich im Lotto gewinne...“ - Ich verstehe das vollkommen.
AntwortenLöschenUnd dann noch ein Aprikosendatschi zum Abschluss? Perfekter geht es ja kaum!
Vielen Dank fürs Mitnehmen auf deine Runde – es hat mir viel Spaß gemacht. Ein gelungener Ausflug, ein gelungenes Outfit!
Gruß & Kuss,
Claudia
Vielen Dank. liebe Claudia, Das Schöne daran ist ja, dass es eigentlich gar kein großer Ausflug ist, sondern mehr so was für "Zwischendurch"... :DDD
LöschenGruß & Kuss
Maren
Ja krass, da bist Du ja fleißig unterwegs. Schön so eine Route, die man nach Geschmack und Wetter variieren kann. Ich bin ja selber auch der Freund von "Kaffee zu Hause". Da geht für das Geld dann auch noch ein zweites Stückchen Kuchen mit nach Hause. Mein Dad ist auch so ein Süßzahn. Ich glaube über so ein Stückchen Aprikosenkuchen hätte er sich sicher gefreut.
AntwortenLöschenBG Sunny
Danke, na ja, das ist halt meine "Radelroutine", wobei ich hoffe, dass es wettermäßig nun mal endlich so weit ist, dass ich auch wieder regelmäßig zur Arbeit radeln kann. Der Datschi war echt gut! :-)))
LöschenLG Maren