Colors of the world: Highlights in der Schwabenmetropole

Stuttgart ist bekanntlich ein Millionendorf im Kessel, umgeben von Weinbergen. Deshalb gibt es hier auch unzählige Aussichtspunkte. Das bedeutet, wer zehn Minuten bergauf läuft - und zwar ziemlich egal in welche Richtung - wird fast automatisch mit einem Postkartenpanorama belohnt. Ganz nebenbei spart man sich durch das ständige Auf und Ab auch noch das Fitnessstudio. Die Stuttgarter nennen das vermutlich einfach Alltag.

Ich finde ja, dass die Landeshauptstadt Baden-Württembergs gerade abseits der - zumindest stellenweise - eher austauschbaren Königsstraße ihren eigentlichen Charme entfaltet: hübsch, überraschend, verwinkelt, pittoresk und trotz ihrer Größe irgendwie nie so richtig großstädtisch.


Als ursprünglich im kurpfälzischen und traditionell eher "schwabenfeindlichen" 😂 Norden Baden-Württembergs Beheimatete kannte ich Stuttgart lange Zeit nur oberflächlich. Erst durch meinen damaligen Freund, der dort studierte, und durch Freunde, die mir glücklicherweise bis heute geblieben sind, lernte ich die Stadt näher kennen - und musste nach und nach sämtliche Vorurteile über Bord werfen. Heute freue ich mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich nach Stuttgart komme. Denn diese Stadt schafft es erstaunlich zuverlässig, mich immer wieder positiv zu überraschen.

Nach meinem jüngsten Besuch würde ich die Definition des berühmten Millionendorfs sogar noch erweitern: es ist vermutlich der einzige Ort, an dem man in einer Jugendstil-Markthalle zwischen Trüffelöl, Oliven, italienischen Spezialitäten und weltweiten Delikatessen über luxuriöses Interieur und wertige Mode stolpert, anschließend mit einer historischen Zahnradbahn einen Berg hinauffährt und dort an einem nach Santiago de Chile benannten Aussichtspunkt von einem Moai der Osterinsel begrüßt wird. Dorf? Vielleicht. Provinziell? Eher nicht. Zumindest nicht mehr. Die Stadt hat sich in den letzten Jahren sehr zum Positiven verändert, wie ich finde, Hauptbahnhof hin oder her.

Und bevor ich es vergesse: auch die Fantastischen Vier stammen aus der Ländle-Hauptstadt. Allein dafür verdient sie eigentlich doch schon einen kleinen Bonuspunkt. Bei meinem heutigen Besuch möchte ich euch jedenfalls mit zwei meiner persönlichen Highlights überzeugen.

Für die Stuttgarter Markthalle müsst ihr übrigens noch nicht einmal den nächsten Hügel erklimmen. Sie liegt mitten im Zentrum, nur wenige Schritte von der Königsstraße entfernt. Überhaupt muss sich Stuttgart beim Thema Ausgehen, Flanieren und Shoppen längst nicht mehr hinter München verstecken. Neben bekannten Kaufhäusern gibt es zahlreiche kleine Boutiquen, individuelle Geschäfte, Vintage-Läden und hübsche Cafés. Genau diese Mischung macht für mich den Reiz aus. Hier kann man wunderbar bummeln, ohne ständig das Gefühl zu haben, überall über dieselben Filialen zu stolpern.

Schon von außen ist die Halle ein echter Blickfang. Innen fühlte ich mich sofort an die wunderschönen überdachten Märkte in London erinnert. Gleichzeitig verströmt sie mit ihren Ständen, den Düften und der Architektur ein echt mediterranes Flair - wie eine Kathedrale des Genusses, in der statt Weihrauch der Duft von frischem Brot, Gewürzen und italienischem Espresso durch die Luft zieht.

Eröffnet wurde die Markthalle bereits 1914. Damals galt sie mit mehr als 400 Marktständen als hochmodern. Kaum zu glauben, dass dieses Schmuckstück in den 1970er Jahren tatsächlich abgerissen werden sollte. Am Ende entschied der Gemeinderat mit genau einer Stimme Mehrheit für ihren Erhalt. Man könnte also sagen, dass Stuggis schönste Feinkosthalle ihre Existenz einem einzigen überzeugten Stadtrat verdankt. Ein schönes Beispiel dafür, dass manchmal tatsächlich eine Stimme den Unterschied machen kann.

Viele Besucher konzentrieren sich verständlicherweise auf Käse, Oliven, Pasta und all die anderen Köstlichkeiten. Dabei lohnt sich unbedingt auch der Blick nach oben. Die Jugendstil-Ornamente, Reliefs, Malereien und die beeindruckende Dachkonstruktion machen die Halle fast zu einem Museum. Wer ausschließlich auf Parmesan und Prosciutto fixiert ist, verpasst mindestens die Hälfte der Schönheit.

Über die umlaufende Galerie im ersten Stock gelangt man außerdem zu einigen hübschen Geschäften, die Designermarken im Bereich Mode, Accessoires und Wohnen führen. Auch ein italienischen Restaurant befindet sich dort. Über einen kleinen Balkon hat man außerdem eine schöne Aussicht nach draußen

Besonders kurios finde ich das alte Straßenbahngleis, das mitten durch die Markthalle verläuft, beziehungsweise nach wenigen Metern einfach im Nichts endet. Ursprünglich war geplant, Waren direkt per Straßenbahn in die Halle zu transportieren. Dazu kam es jedoch nie. Das Gleis blieb einfach liegen (der Schwabe an sich schmeißt halt nix weg!) und gilt heute als ältester erhaltener Straßenbahn-Gleisrest der Landesmetropole. 

Nach dem Genuss von gutem Essen sollte man ja bekanntlich die berühmten tausend Schritte tun. In meinem Fall (zu heiß!) nimmt mir das die Zacke ab, eine kleine Bahn mit großem Ego. Der Spitzname stammt von der Zahnradbahn und die fährt immerhin seit 1884. Damit gehört sie zu den ältesten elektrischen Zahnradbahnen Europas und ist heute die einzige innerstädtische Zahnradbahn Deutschlands im regulären Linienverkehr. 

Sie schafft Steigungen von fast 18 %. Da wirken manche Tiefgaragenauffahrten plötzlich ganz harmlos. Es gibt sogar einen kleinen Fahrradwagen, der hinten angehängt wird. Das sieht heute noch herrlich nostalgisch aus.


Die Zacke bringt mich also erst einmal nach Degerloch, einem Stadtteil weit droben auf dem Hügel, und von dort aus zum Santiago-de-Chile-Platz - dem vermutlich internationalsten Aussichtspunkt Stuttgarts. Früher hieß der Platz schlicht "auf dem Haigst" und wurde erst 2006 umbenannt.

Dort steht tatsächlich ein Moai, also eine Statue von der Osterinsel. Vermutlich einer der wenigen Orte in Deutschland, an denen man innerhalb weniger Minuten mit einer historischen Zahnradbahn zu einer riesigen Steinskulptur aus Polynesien fährt. Außerdem erwartet einen dort ein wirklich spektakulärer Ausblick auf den sogenannten "Feinstaub-Kessel", also der im Tal gelegenen Stuttgarter Innenstadt.


Schön war's in Stuttgart - der Tag fühlte sich nach der Woche in Sinsheim tatsächlich erstmalig wie Urlaub an. Zum krönenden Abschluss übernachtete ich bei meiner alten Freundin Steffi ganz in der Nähe und fuhr erst am nächsten Tag zurück nach München. Steffi erwartete mich mit Prosecco, einem paradiesischen Garten mit Palmen, einem feinen Pool (!!!) und später einem wunderbaren Essen vom Grill. Und das nenne ich natürlich erst Recht mal Urlaub... 😂









OUTFIT:
Kleid: Opus
Sandalen: Ara
Perlen: aus meinem Fundus
Brille: TkMaxx

LOCATION:
Santiago-de-Chile-Platz, Stuttgart

Kommentare

  1. Liebe Maren,

    bitte verzeih' mir !!!...



    ... aber ich habe nur Augen für den Pool! *love*

    Wie cool ist das denn??

    Mitten in Stuttgart bist du auf einer Finca, und Palmen gibt es auch noch dazu.

    Okay, wir machen einen Deal (bevor der Satz zum Markenzeichen eines Präsidenten wurde ).

    Ihr geht in die Stadt, bringt mir allerlei Genußmittel aus den Markthallen mit, Käse, Schinken, Likör und ich bleibe am Pool.

    Ein ganz besonders schöner Platz scheint ja auch der um die Markthalle zu sein. Wie auf einer italienischen Piazza.
    Und die Markthallen selbst, mein lieber Jolly, die sind auch sehr beeindruckend. Dass es so schöne Bauten gibt und die erhalten bleiben, dass hätte ich nicht erwartet. Eine Stimme kann tatsächlich einen Unterschied machen (manchmal aber auch zum Schlechten, aber darüber wollen wir heute nicht nachdenken).

    Toller Bau, tolle Halle, tolles Outfit!

    See you later at the pool, :-)
    Liebe Grüße,
    CLaudia

    Danke für s Zeigen auch der Poolbilder!

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  2. Stuttgart mit Palme, Prosecco und Pool, das hat schon was. Deine Freundin Steffi weiß, was Du urlaubsmäßig brauchst. Da lohnt dann sogar ein Kurzurlaub!
    Die Markthalle habe ich auch noch in bester Erinnerung, weil ich so beeindruckt war. Vom Essen verstehen die Schwaben eh viel.
    Wie schön, dass Du uns mit der Zacke hoch hinaus mitnimmst und Stuttgart mal von oben zeigst. Den Moai der Osterinsel habe ich nicht entdecken können, dafür aber Dich sehr chic gewandet passend zur City of Stuttgart.
    Gut, dass Du Dir diesen kleinen Urlaubsabstecher nach dem eher melancholisch machenden Sinsheim gegönnt hast und uns mitgenommen hast. Vielleicht sollte ich auch mal wieder hinfahren? In die Staatsgalerie wollte ich schon lange mal...
    Einen gemütlichen Sonntag wünsche ich Dir und sende herzliche Grüße,
    Sieglinde

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