Wohnen in London: walkin' round London town
You may laugh, you may frown
Walkin' round London town
Sun is in the sky, oh why, oh why
Would I wanna be anywhere else?
When you look with your eyes
Everything seems nice
But if you look twice
You can see it's all lies...
(LDN; Lily Allen, 2006)
Warnung: Dieser Post enthält Spuren von Realität und Konsum, und könnte insbesondere bei anglophilen und besonders nachhaltigen Personengruppen möglicherweise Irritationen hervorrufen, von denen sich die Autorin hiermit ausdrücklich distanziert.
Walkin' round London town macht schon echt Spaß, ganz besonders in den gentrifizierten, hippen und demnach (wieder) sicheren Vierteln, in denen sich (Achtung, Wortspiel!) nur noch DINKS ihre DRINKS leisten können und auf deren Vintage-Märkten sich natürlich dann auch fast nur noch mal eben mit dem Eurostar in zwei Stunden ins coole London gejettete Pariser, die sich hier modisch inspirieren lassen, kulturell versierte Italiener, ganz klar erkennbar an der "Queuing-ist-nur-was-für-Weicheier"-Haltung... und nicht zu vergessen die zahlreichen Germans tummeln. Die sich oft eh für allwissend, ortskundig und trendig halten, es aber natürlich nicht sind, also zum Beispiel so Leute wie ich 😂.
Kommt man allerdings ein wenig vom üblichen Besucher-Trail ab, kann diese gigantische Stadt mit ihren zahllosen Menschenmassen einem auch eine eher deprimierende und hässliche Seite zeigen. Aber da gucken wir natürlich nicht hin, wär ja noch schöner. Und wegen der überhand nehmenden Zahl der Obdachlosen auf der Straße - na, wen wundert's? - kaufen wir halt im Charity-Shop ein und tun somit etwas dagegen. Oder etwa nicht?
Im zum oben zitierten Song lange vor dem Brexit gedrehten Video von Lily Allen sieht man beispielsweise sehr anschaulich, dass alles eben so seine zwei Seiten hat und dass es immer ganz darauf ankommt, aus welcher Perspektive man die Dinge betrachtet. Aus meiner zeitlich begrenzten Besucher-Perspektive fällt es natürlich leicht, London aufregend, lebendig und supertoll zu finden... aber so auf Dauer könnte ich hier auch nicht pausenlos alles glorifizieren, was ich so wahrnehme.
Und da London wirklich und wahrhaftig sowas von schweineteuer ist, hier meine ganz individuellen, kleinen Sightseeings- Essens- Kultur (haha!)- und Shoppingerfahrungen für London und Umgebung, die nicht gaaaanz so ins Geld gehen und dennoch Spaß machen. Mir zumindest. Also nicht, dass ich eine Ahnung hätte... aber für meine bescheidenen Bedürfnisse haben diese sich bewährt. Und klar geht es nicht darum, im Urlaub zu geizen und zu sparen - aber so manches kann man sich einfach schenken, wo es doch so geniale Alternativen gibt:
RUMKOMMEN
Klar kann man so eine beliebte, aber teure London-Hop-on-hop-off-Touristen-Bustour machen, aber meiner persönlichen Erfahrung nach (denn ich hab sie in den ersten Tagen natürlich getestet!) funktionieren die Ansagen per Kopfhörer eh nicht, wie sie sollen, man steigt unterwegs irgendwo aus, bleibt dort hängen, findet die Haltestelle nicht wieder und lässt die Weiterfahrt sausen, weil man selbst zu müde und es viel praktischer ist, die nächste U-Bahn zu nehmen.
Klar gibt's in London mannigfaltige Möglichkeiten, um von A nach B zu kommen, allen voran die kultige, inzwischen auch veraltete U-Bahn, wobei man ganz schön weite Strecken zu Fuß zurücklegen muss, treppauf, treppab, gefühlt meilenweit durch überfüllte, stickige Gewölbe, um an an die richtige Haltestelle zu gelangen - und schließlich geduckt in einem überfüllten Abteil vor sich hin geschüttelt wird, während es draußen natürlich rabenschwarz ist. Sprich: nix Sightseeing!
Busfahren in London dagegen macht Spaß! Die ganz normalen roten Doppeldecker-Busse fahren regelmäßig und inzwischen weitgehend elektrisch, gleiten schön langsam durchs Gewühl der gesamten Stadt und ersetzen meines Erachtens nach die Touristenbusse aufs Perfekteste. Wenn man wie ich viel Zeit hat, kann man auch mal einfach so einsteigen und sehen, wohin es einen verschlägt. Und abseits der Stoßzeiten schafft man es meistens auf den begehrten Platz oben ganz vorne - das bedeutet: Rundum-Aussicht vom Feinsten!
Kosten pro Fahrt: ca. 2 Euro, egal wohin...
Eins meiner weiteren Highlights der Fortbewegung war eindeutig eine Bootsfahrt auf der Themse: hier lohnt es sich durchaus, in die Touri-Tour zu investieren - dafür kriegt man witzige Live-Kommentare von versierten, einheimischen Bootsleuten. Die Fahrt von Westminster nach Greenwich dauert beispielsweise eine kurzweilige Stunde, es gibt Kaffee und Toiletten an Bord und man bekommt spektakuläre Blicke - z.B. auf die Tower Bridge und andere Sehenswürdigkeiten. Lohnt sich definitiv!
Kosten: von Westminster nach Greenwich ca. 20 Euro
Ansonsten wisst ihr ja, dass ich auch außerhalb Londons unterwegs war, zum Beispiel in Seaford bei den Seven Sisters und zweimal in Brighton - geplant ist noch ein weiterer Ausflug nach Littlehampton. BritRail ist natürlich nicht gerade günstig, aber es lohnt sich trotzdem. Und von meinem Standort East Croydon aus natürlich am Bequemsten. Tickets gibt's online.
ESSEN und TRINKEN
Ich geb's zu, ich bin so auf Dauer nicht wirklich eine Teetrinkerin. Macht aber gar nix, denn die üblichen Barista-Ketten, die einem hier gefühlt alle 10 Meter vor die Füße fallen (Costa, Black Sheep, Starbucks und Konsorten), schenken hervorragenden Cappuccino in den Becher - den ich mir dann meistens auf meinem V.I.P.-Platz vorne oben im roten Bus, welcher mich durch ganz London chauffiert, schmecken lasse...! 😂
A propos Trinken: wenn man sich im Urlaub dann doch mal gerne das ein oder andere Glas Prosecco oder Wein am Abend gönnen will, muss man inzwischen tief in die Tasche greifen. Selbst bei Lidl oder Aldi kostet die flüssige Droge ungefähr doppelt so viel wie zu Hause.
Ansonsten möchte ich hier dringend und endgültig mit dem Vorurteil aufräumen, dass es im vereinigten Königreich - insbesondere in London - kein hervorragendes Essen gibt. Wenn man nicht ins überteuerte Restaurant will, bekommt man besonders auf den zahlreichen Märkten (Borough, Camden, Spitalfields, Greenwich oder Brick Lane Market und vielen, vielen anderen mehr!) an Straßenständen immer leckere Gerichte aus aller Welt - westafrikanische, marokkanische, persische, malaysische, kantonesische, vietnamesische, indische und natürlich nicht zu vergessen britische Küche, die weitaus besser ist als ihr Ruf: schon mal feinen Stilton, Cheese Scones oder Cornish Pastries probiert? - zu humanen (Hal-lo, wir befinden uns immer noch in London!) Preisen. Ach ja, wer es besonders exotisch mag: frische Laugenbrezen oder German Döner (!) gehen hier weg wie... äh... warme Semmeln. 😂
Kosten: für ein leckeres Mittagessen "auf die Hand" ist man mit ca. 10 Euro dabei.
KULTUR
Bevor ihr fragt: ich war vor Jahren schon im British Museum und fand es eher... äh... langweilig. Sorry. Bin halt ein Kulturbanause. Dafür kann ich ein wirklich toll gemachtes, kleines Museum empfehlen - das Museum of the Home, welches sich dem Thema Inneneinrichtung im Wandel der Zeiten (vom 17. Jahrhundert bis ins Jahr 2049!) widmet. Für ein Schanierl wie mich natürlich ein tolles, kurzweiliges Erlebnis, welches ich wirklich genossen habe!
Was mich ansonsten ehrlich nervt, sind diese ständigen Online-Voraus-Buchungen, die man hier leider wegen des großen Andrangs tätigen muss - so kam es beispielsweise dazu, dass ich es nicht auf den Skygarden geschafft habe - für die nächsten 3 Wochen ausgebucht! Auch für die bekannten Museen muss man meistens ein Zeitfenster buchen, was bedeutet, dass spontan gar nix geht.
Kosten für Museen: meistens nix, aber Spenden sind immer willkommen - 5 bis 10 Pfund sind angemessen.
Und eine weitere, ganz besondere Art, Kultur relativ spontan, authentisch und überraschend günstig zu genießen, zeige ich euch im kommenden Mittwochspost... wartet's ab! 😂
SHOPPING
Ha! Ich hab euch oben ja gewarnt... aber mal ehrlich: when in London, do as most tourists do und kauft euch was, das es so kein zweites Mal gibt! Zumindest nicht im Heimatland. Macht natürlich gar keinen Sinn, sich beispielsweise DocMartens oder Kleidung von Asos, Reiss oder All Saints (alles Londoner Marken) zuzulegen, weil man die in Deutschland genauso bekommt, aber wenn ihr nach einem Vintage-Burberry-Mantel sucht (hab keinen gefunden, der mir gefallen/gepasst hätte) und statt dessen eine leichte Barbour-Jacke (eher ein "Overshirt") im Sale findet - super Qualität! - dann würde ich zuschlagen! Hinterher ärgert man sich nämlich bloß.
Aber machen wir's kurz - was ich mir in LONDON gekauft habe:
aber hier gerne nochmal vorstelle:
- eine wunderschöne No-Name-Leder-Tasche an einem Marktstand:
- eine coole und große Crossbody-Bag in gelb von ODI LYNCH
(die Designerin gibt es nur auf dem Camden Market und online):
- eine richtig wertiges, qualitativ gutes Overshirt von BARBOUR -
die es online auf der deutschen Website gar nicht gibt, also auch ein "Original":
Und dann halt noch so ein paar Kleinigkeiten... hüstel. Ich stell euch alles in den kommenden Posts vor, wenn ich wieder Zuhause bin, denn da kann ich die neuen Teile mit den vorhandenen aus dem Kleiderschrank kombinieren und ein paar "London-Outfits" erstellen...😂.
liebe Maren,
AntwortenLöschendu solltest London-Auslandskorrespondentin werden. Ohne Quatsch. bei dir würde jeder zuhören, auch bei unangenehmen Dingen.
Meine Synapsen sind heute schon wohl was am glühen. Ich lese deine Einleitung, die Zustände usw. Und dann les ich bei dir " an Bord gibt es Kaffee und Tabletten.." Tabletten?? Achso, Stimmungsaufheller werden schon an die Touris ausgegeben. Nein, kann nicht sein , oder? nochmal gelesen, aha, Toiletten. Soweit bin ich also schon, dass ich denke, es werden aufhellende Substanzen an die Touris verteilt .
Deine Fotos sind wieder beeindruckend , das Museum of Home ist ja wohl interessant. "What Ladies do"... zum Glück bin ich keine Lady.
Deine Einkäufe, joo, die können sich sehen lassen. Die gelbe Tasche sehr sehr sehr schön und Barbour-Overshirt, ebenso.
Noch schöne Tage in London Town,
wünscht dir
Lady Claudia
Was, die vier Wochen sind praktisch schon rum? Ich fasse es nicht!
AntwortenLöschenIch könnte noch wochenlang weiterhin Sonntags und Mittwochs von Dir lesen aus London und Umgebung.
Auch wenn es natürlich viel Schattenseiten gibt in dieser großen Stadt. Die du ja auch zeigst.
Aber die gab es anders für Frauen und Ladies wohl schon immer wie das Museum of the Home aufweist. Gruselig.
Auch die Online-Buchungen finde ich höchst unschön, wenn die Spontaneität so ganz auf der Strecke bleiben muss. Und man teilweise nicht mal Karten ergattern kann...
Dafür sind Deine Busfahrten so wunderbar mit Blick von ganz oben und köstlichem Essen und Trinken dabei! Auch die Themse-Fahrt stell ich mir großartig vor. Vom Fluss aus bekommt man nochmals eine ganz andere Perspektive.
Ich bin überall gern mit Dir gewesen und hoffe, dass noch einiges im Nachklang kommt: London-Looks hast Du ja schon vorgemerkt...
Wann genau gehts zurück?
Herzlich <3<3<3
Sieglinde
Dieses frühzeitige Vorausbuchen nervt mich hier auch schon seit einiger Zeit - spontan geht vieles nicht mehr und dann ist man an strikte Zeitfenster gebunden und den Wettergöttern im Zweifel hilflos ausgeliefert. Als ebenso bekennende Kunstbanausin hätte es mir aber das Einrichtungsmuseum auch viel mehr angetan, als die gängigen Touri-Must-Seens. Die sind mir meist eh viel zu voll, was ja auch zu den Frühbucher-Vorgaben führt. Also kann ich davon ausgehen, dass alles, was man Wochen im Voraus buchen muss, eh nix für mich ist 😄.
AntwortenLöschenDas mit dem leckeren britischen Essen kann ich leider kaum glauben, ich wurde mit sämtlichen Vorurteilen diesbezüglich bekocht. Die Multi-Kulti-Küche ist da schon eher meins und da würde ich mich durchfuttern, bevor ich mich an die einheimischen "Spezialitäten" abseits von Fish&Chips wagen würde.
Bus und Boot sind aus Sightseeingsicht wirklich spannender als die U-Bahn. Vor allem, wenn man wie du auch mit dem "normalen" Bus unterwegs ist und dann auch die Kehrseite abseits von den Touristenrouten zu sehen bekommt. Und es gibt sicher auch viele schöne aber unbekannte Ecken, die dann auch nicht so überrannt werden. Da könnte man wahrscheinlich gleich nochmal vier Wochen füllen.
Liebe Grüße!
Liebe Maren, du hast recht, Busfahren in den roten Doppeldeckern fand ich auch immer viel charmanter als diese Hop-on-hop-off-Touren. Ganz vorne oben sitzen, Cappuccino in der Hand (das habe ich nicht :( ) – besser geht Sightseeing nicht! <3
AntwortenLöschenDa ich schon ein paar Mal in London war, sind mir manche Dinge noch frisch in Erinnerung, an andere möchte ich mich gar nicht erinnern (mir wurde einmal im Restaurant die Brieftasche gestohlen und ich durfte den nächsten Tag im Konsulat verbringen – lange Geschichte :( ). Aber so ist das eben, London hat eben zwei Seiten.
Aber Shoppen muss natürlich sein! Deine Ausbeute gefällt mir richtig gut, und die Sneakers – total verliebt, die sind echt super cool!
Danke fürs Mitnehmen auf deine Tour durch die Stadt. Schon am Ende, schade!
Gruß & Kuss,
Claudia