Sunday Colors: Lesetag
Wenn es um Weihnachtsfeiern geht, liefern meine Arbeitgeber alle zwei Jahre zuverlässig ab: feine Menüs in hübschen Restaurants, gute Stimmung inklusive. Doch beim Thema Geschenke legen sie noch eine Schippe drauf. So gab es im vergangenen Jahr zunächst ein kleines, liebevoll aus Buchseiten gefaltetes Kunstwerk für den Schreibtisch, perfekt für Notizzettel oder Postkarten. Dazu einen Büchergutschein. Schon das war echt cool.
Der eigentliche Clou kam aber noch: ein zusätzlicher, bezahlter Lesetag. Ein ganzer Arbeitstag, reserviert fürs Schmökern - unabhängig vom Jahresurlaub. Denn ein Buch zu besitzen und es tatsächlich zu lesen, sind bekanntlich zwei verschiedene Projekte. Oder, wie Schopenhauer es formulierte: "Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte."
Meinen persönlichen Lesetag hab ich auf letzten Freitag gelegt. Zugegeben, das frühlingshafte Wetter hat ebenfalls meine ganze Aufmerksamkeit eingefordert, doch im Zentrum stand Rebecca Solnits „Umwege“, ein kluges Buch über Hoffnung als bewusste Entscheidung im Angesicht schlechter Nachrichten. Darum soll es hier aber gar nicht gehen, sondern ums Lesen selbst.
Denn ehrlich gesagt komm ich viel zu selten dazu. Nicht zuletzt wegen der digitalen Dauerbeschallung, von der ich selbstverständlich auch nicht frei bin. Sachbücher schaffe ich mal eben so zwischen Suppe und Kartoffeln (bin eine echte Schnell-Leserin), aber so wirklich und wahrhaftig mit Haut und Haaren in einen Roman einzutauchen, das gelingt mir kaum noch.
Ich weiß nicht... vielleicht fehlt mir die Ruhe, die Muße, vielleicht aber auch der Mut, mich ganz darin zu verlieren. Was, wenn ich aus der Geschichte nicht mehr rausfinde? Hört sich vielleicht selten dämlich an, aber ich hab zudem so ein Gefühl von Zeitverschwendung, "nur" zu lesen. Zeit, die ich möglicherweise auch anders und sinnvoller nutzen könnte.
Dabei war das früher definitiv anders. Als Kind habe ich Bücher verschlungen und ähnlich wie Nina Hagen - "...die Arztromane (...) mit 12 schon hinter mich gebracht - Mann, bin ich belesen, ey!". Lesen konnte ich übrigens längst noch vor der Einschulung, und zwar nicht aus pädagogischem Ehrgeiz meiner Eltern, hahaha, guter Witz, nein, mehr aus meiner eigenen Ungeduld heraus. Weil mir langweilig war. Kommt schon, außer Hörspielschallplatten (!) hatten wir ja nix... buhuhuuu. Mein Vater, damals Grundschullehrer, drückte mir auf mein Betteln hin ein Leseanfänger-Buch in die Hand - das war's dann aber auch von seiner Seite. Den Rest erledigte ich logischerweise selbst. DIY lag mir halt irgendwie schon immer 😂.
Heute lese ich übrigens so einiges: Automatenanzeigen, eine mögliche Zukunft aus vor mir liegenden Tarotkarten, oft genug die Unwahrheit aus unschuldig blickenden Kinderaugen, gelegentlich sogar die Wahrheit in oder auch zwischen den Zeilen der zugeneigten Kommentare meiner Posts. Doch beim eigentlichen Lesen, nämlich dem von Texten, verliere nicht nur ich, sondern auch unsere Gesellschaft allgemein zunehmend irgendwie den Anschluss.
Studien zeigen, dass rund jede fünfte Person in Deutschland einfache Sätze nur schwer versteht. Etwa 16 Prozent lesen gar keine Bücher mehr. Und selbst regelmäßige Leserinnen und Leser kommen im Schnitt nur auf 27 Minuten täglich, weniger als noch vor zehn Jahren.
Dabei ist Lesen bei weitem kein Selbstläufer. Unser Gehirn ist nicht von Natur aus darauf programmiert; es muss trainiert werden. Wer regelmäßig liest, stärkt sein Sprachzentrum wie einen Bizeps vor dem Spiegel im Fitness-Studio. Gerade und besonders im Kindesalter wirkt sich das positiv aus: Kinder, denen häufig vorgelesen wird, hören im Laufe der Jahre Millionen Wörter mehr als andere - mit spürbaren Folgen für Wortschatz und Bildungschancen.
Doch die Vorteile enden natürlich nicht mit der Schulzeit. Lesen verbessert auch bei Erwachsenen Konzentration, Sprachgefühl und Gedächtnis, erweitert kontinuierlich den Wortschatz und erleichtert das schnelle Erfassen komplexer Inhalte. Was man liest, ist dabei zweitrangig, entscheidend ist die Regelmäßigkeit.
Auch im digitalen Zeitalter bleibt diese Fähigkeit zentral. Audio- und Bildformate können vieles, aber tiefes Textverständnis ersetzen sie eben nicht. Lesen ist kein nostalgisches Hobby, sondern nachhaltiges Gehirntraining - in jedem Alter. Und es kostet im Grunde nur zwei Dinge: ein Buch und Zeit. Gerade deshalb war dieser geschenkte Lesetag vielleicht das wertvollste Präsent von allen.
Wie geht es euch so mit dem Lesen?









Das ist echt ein großartiges Geschenk, liebe Maren. Ein Lesetag.
AntwortenLöschenMir gehts wie Dir, ich lese einiges am Tag, aber kaum noch Bücher. Dabei stapeln die sich bei mir im Regal im SuB. Und ich habe ein schlechtes Gewissen... Ist ja auch irgendwie doof.
Hat Dein Lesetag Dir wieder zu mehr Lust am Buch verholfen?
Vielleicht muss ich mir selbst einen schenken?!
Herzlich,
Sieglinde
Bei mir ist das Problem, dass ich vieles auf dem Smartphone lese (Kindle) aus Platzgründen. Echte Bücher mit rumzuschleppen, z.B. im Urlaub, ist mir inzwischen einfach zu umständlich. Daher lese ich schon, aber eben keine echten Bücher mehr. Und Romane auch nicht... tatsächlich gibt es sehr wenig, was mich wirklich noch "fesselt".
LöschenDir selbst einen Lesetag zu "verordnen", halte ich für eine sehr gute Idee! :-))
Herzlich,
Maren
Was für ein tolles Geschenk! Eine sehr coole Idee, das finde ich auch.
AntwortenLöschenIch lese täglich vor dem Schlafen. Täglich Blogs und Artikel in Zeitschriften. In Bankrut habe ich 7 Bücher gelesen, herrlich so am Strand sitzend. 💕 Das Wetter am Freitag war auch hier mega schön. So dürfte es weitergehen.😅
Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag, liebe Grüße Tina
Wow, 7 Bücher, da merkt man, wozu so ein Strandleben gut sein kann... ja, hier wird's inzwischen Frühling. Schön, dass ihr wohlbehalten wieder angekommen seid!
LöschenHab einen guten Start in die Woche, liebe Grüße Maren
Das wäre ein Geschenk ganz nach meinem Geschmack, was für eine wunderbare Geste! Ich lese tatsächlich einiges an Büchern und bin froh um den kostenlosen Nachschub aus der Bücherei, die seit Februar sogar eine "Onleihe" hat. Das Lesen selbst empfinde ich als extrem sinnvolle Beschäftigung, selbst wenn es mal "nur" ein Thriller ist. Wobei so ein 600-Seiten-Schmöker auch ein gutes Krafttraining sein kann. Die Gartenpause habe ich lesend sehr genossen, das wird im Sommer wahrscheinlich weniger. Wobei auch da sicher immer mal wieder etwas Lesezeit in der Hängematte drin sein wird.
AntwortenLöschenLiebe Grüße!
Onleihe, wie cool ist das denn. Als ich noch Bücher ausgeliehen habe, hab ich viel mehr, auch viel quergelesen, denn ich hatte ja die Wahl... Ich muss direkt mal schauen, was sich in München in den Stadtbüchereien so getan hat, ist bestimmt auch viel passiert...
LöschenLesen in der Hängematte im Garten klingt extrem gemütlich!
Liebe Grüße!
Schön, so ein Lesetag! Ich lese meistens abends und viel lieber, als Filme zu gucken. Und dann auch eher ruhigere Romane oder Sachbücher. Zu Spannendes ist zu anstrengend vor dem Schlafengehen.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Heike
Ja, statt Filme oder Serien gucken wäre Lesen ein tägliches Ritual... ich verstehe gut, dass du vor dem Schlafengehen nichts Aufregendes mehr lesen willst.
LöschenLiebe Grüße, Maren
Ein geschenkter Lesetag, sehr cool!! Hoffentlich wird er dann auch zumindest teilweise fürs Lesen verwendet... (?) Lesen als Zeitverschwendung? Du bist berufstätig, da denkt man anders darüber und teilt seine wertvolle freie Zeit anders ein.
AntwortenLöschenOhne tägliches Lesen mag ich nicht sein und mein Mann wird ein bisschen "unrund" ohne lesen ;-))) Ich lese alle Bücher, die mich aus irgendeinem Grund ansprechen, mindestens doppelt oder mehrfach. Bin vor mehreren Jahren auf e-book umgestiegen, so habe ich Lesestoff immer leicht dabei!
Eine schöne erste Märzwoche mit genügend Muße (vielleicht sogar zum Lesen) wünsche ich dir
Ja, nicht wahr? Ich denke schon, dass die meisten den auch so genutzt haben und nutzen werden. Es ist furchtbar, das lesen als Zeitverschwendung zu betrachten, ist mir auch klar :-)))
LöschenJa, ohne e-book geht es ja kaum noch... wenn ich mir vorstelle, dass ich Bücher mit in den Urlaub geschleppt habe... kann mich erinnern, dass es in vielen Urlaubsländern solche Bookshops zum Tauschen gab. So lang ist das noch gar nicht her.
Danke, dir wünsche ich auch eine schöne erste Märzwoche und viel Lesestoff! :-))
Das ist ja mal eine rühmenswerte Idee! Jeder Versuch ist es wert, die Menschen mit den Büchern wieder zusammenzubringen! Ich habe es mir nach meiner Zwangspause durch Pflege & Trauer wieder per Gewohnheitstracker antrainiert und kann es inzwischen wieder nicht mehr lassen. Darüber freue ich mich riesig und halte es auch in einem Blogpost fest und habe zudem eine Leseliste ( die erneuerte der „Zeit“) mit Klassikern, mit denen ich noch Bekanntschaft schließen möchte.
AntwortenLöschenTolles Foto in traumhafter ( englischer ) Bibliothek!
Sonntagsgrüße aus der Nachbarschaft!
Astrid
Das finde ich auch. Daher mag ich meine Arbeitgeber, die haben noch Ideale! :-))) Es ist schön, dass du dir das Lesen quasi wieder antrainiert hast, ich glaube, so muss ich es auch für mich machen.
LöschenVielen Dank!
Liebe Grüße in die Nachbarschaft,
Maren
DAS nenn ich ja mal ein schönes Geschenk, bei dem sich jemand wirklich Gedanken gemacht hat. Kann sehr nachvollziehen, dass es dich freut!
AntwortenLöschenFrüher habe ich Unmengen an Büchern gelesen. Die Ferien auf der Alp im Sommer habe ich praktisch im Dauer-Lese-Modus verbracht; ich konnte gar nicht genug Bücher mit hochschleppen. In den letzten Jahren allerdings, das gebe ich zu, habe ich kaum noch gelesen. Manchmal reicht meine Aufmerksamkeit ganz knapp für ein Magazin. Woher das kommt? Keine Ahnung. Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass mein Gehirn dadurch irgendwelche Defizite davonträgt. Ich glaube, das gleicht die Schreiberei wieder aus! (Als Kind hab ich übrigens auf Grossmuttis hellgrüner Hermès-Schreibmaschine ellenlange Geschichten getippt. Auch nicht schlecht für die Förderung von Sprache und Verständnis, oder? 😊)
Das letzte Buch, das ich mir gekauft habe, ist übrigens "Altern" von Elke Heidenreich. Witzig, aber doch etwas sperrig zu lesen, da die Texte mit vielen Zitaten u.ä. gespickt sind. Trotzdem zu empfehlen, denn ich mag die Autorin per se, und man kann das Buch ja in kleinere Happen aufteilen. Dann hat man auch länger was davon.
Herzliche Grüsse!
Ja, vor allem mag ich es, dass meine Arbeitgeber in den meisten Fällen klasse sind und noch gewisse Ideale haben.
LöschenGenauso wie dir geht's mir auch. Früher war ich eine Leseratte - aber jetzt? Ich glaube, dadurch, dass wir unser Gehirn schon so trainiert haben, kann uns nicht mehr so viel passieren :-DDD Aber als Leseanfänger bzw. als Kind ist es halt ein fataler Unterschied, ob man liest oder nicht.
Witzig, ich habe als Kind auch Geschichten geschrieben... ohne Ende. War gut, dass es keine Handys gab!
Über das Buch "Altern" hab ich schon vieles gelesen, das Buch selbst noch nicht...
Herzliche Grüße!
Das ist mal eine sinnvolle Gabe eines Arbeigebers. Ich lese sehr gerne oder eben Hörbücher. Wenn ich in einem Buch nicht über die ersten Seiten komme, dann les ich es meist nicht mehr. Wenn ich aber schon am Anfang merke dass das Buch gut ist, dann kann ich nicht mehr aufhören und lese meist bis in den frühen Morgen.
AntwortenLöschenLG
Ursula
Ja, sehr sinnvoll, vor allem der Clou mit dem freien Tag. Mir geht es wie dir, leider scheitern viele Bücher an den ersten Seiten... :-))) Schön, wenn du bis in die frühen Morgenstunden lesen kannst, das hat echt was, finde ich!
LöschenLiebe Grüße Maren
Liebe Maren, da hast Du ja einen wunderbaren Arbeitgeber - zumindest was die Benefizien angeht. Das ist wohl nicht selbstverständlich und sollte für ein positives Klima sorgen. Ob das auch im Arbeitsalltag anhält ist allerdings eine andere Frage. Ich war eigentlich nie eine Leseratte. Aber wenn mich ein Buch fasziniert hat, konnte ich es auch schon in einem Zug auslesen. Ich erinnere mich dabei an die ersten Bücher von Frederik Forsyth (Akte Odessa, Der Schakal z.B.) Die fing ich abends an und war um 4 Uhr morgens fertig. Vor einiger Zeit sind wir auch e-book umgestiegen, da das einfach für uns praktischer ist. Keine Unmengen an Büchern im Schrank und man kann problemlos mit kleinstem Gewicht eine Unmenge an Büchern in den Urlaub mitnehmen. Aber ich verstehe schon die Puristen, die ein Buch zum blättern einfach gerne in den Händen halten. Hörbücher haben bei mir noch keinen Platz befunden. Wobei ich festgestellt habe, daß es total faszinierend sein kann, wenn die Story gut und die Lesenden sich der Qualität anpassen. Ist mir einmal passiert, als ich das Auto parkte, um in die Wohnung zu gehen und im Radio (Ö1 bei uns) die Geschichte von Daniel Glattauer - Gut gegen Nordwind gelesen wurde. Ich blieb bis zum Ende fasziniert sitzen.
AntwortenLöschenSeit ich das e-book habe, ist aber meine Lesehäufigkeit gestiegen.
Wünsche Dir noch viel Spaß beim lesen.
Ganz liebe Grüße
Violetta
Doch, das hab ich wirklich. Und ehrlich gesagt, bin ich sehr zufrieden.
LöschenAn durchlesene Nächte erinnere ich mich auch gut, und ich hab schon Ausstiege an Bahnhöfen verpasst, weil ich im Zug gelesen hab und völlig vom Inhalt gefesselt war, z.B. bei "Die Säulen der Erde" etc. konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen.
Ich hab längst ein E-Book bzw. lese auch viel auf dem Smartphone - kleine Wohnung! Früher hab ich das Platzproblem durch die Stadtbücherei gelöst... aber dieses Geschleppe tu ich mir nicht mehr an.
Mit Hörbüchern hab ich's auch nicht so... aber ich müsste es mal ausprobieren. Haha, das mit dem Auto kann ich gut nachvollziehen!
Danke, das wünsche ich dir ebenso - ein vergnügtes Lesen!
Ganz liebe Grüße Maren
Auf die Idee als Arbeitgeber einen Lesetag zu schenken muß man erst mal kommen. Das ist großartig. Erinnert mich daran, auch wieder mehr zu lesen. Wobei man bei den täglichen Nachrichten schon gut zu lesen hat, möchte man informiert bleiben. Ein Buch ist allerdings was ganz anderes, es eröffnet andere Welten. Hätte schon einige da, die gelesen werden möchten. :)
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Ja, ich finde meine Arbeitgeber eh weitgehend super (das sagen sicher nicht viele!) :-DDD Ehrlich gesagt, tue ich mich schwer mit den täglichen Nachrichten (also Zeitung lesen), denn ich finde diese extrem deprimierend. Dann schon lieber ein Buch, das einen in eine bessere Welt beamt ;-)
LöschenLiebe Grüße!
Wie cool ist das denn? Das nenne ich mal ein kreatives Geschenk. Einen Tag frei, nicht zum Putzen oder dringende Geschäfte erledigen, sondern ein Tag für die Selbstreflexion.
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Sabine
Ja, ich fand es auch cool. Ach, lesen geht für mich aber auch ohne Selbstreflexion, hihi.
LöschenLiebe Grüße Maren
Ein Lesetag? Was für eine tolle Idee! Find ich super!
AntwortenLöschenWobei ich an sich auch sehr gerne und viel lese.
Ja, nicht wahr?
LöschenIch an sich auch, aber nicht mehr so wie früher...
Liebe Maren,
AntwortenLöschenein geschenkter Lesetag vom Arbeitgeber? Das ist ja mal eine Ansage! Während andere Firmen mit Pizza-Gutscheinen und "casual Friday" um sich werfen, bekommst du bezahlte Zeit für Muße und Bildung. Chapeau! Und gleichzeitig eine wunderbare Grundlage für existenzielle Fragen: Warum fühlt sich "nur lesen" eigentlich so sehr nach Zeitverschwendung an, obwohl wir doch alle wissen, dass es das Gegenteil ist?
Diese digitale Dauerbeschallung, von der du schreibst – sie hat uns alle im Griff. Früher konnte man sich einfach in ein Buch fallen lassen, heute scrollt der Daumen automatisch weiter, immer auf der Suche nach dem nächsten Kick. Deine Sorge, aus einer Geschichte nicht mehr rauszufinden, hat etwas herrlich Romantisches. Als wäre Lesen eine Gefahr, der man sich bewusst aussetzen muss.
Die Statistiken, die du anführst, sind ernüchternd. 16 Prozent lesen gar keine Bücher mehr – das ist erschreckend. Dabei ist Lesen tatsächlich wie Bizeps-Training fürs Gehirn, nur dass man dabei gemütlich auf dem Sofa liegen kann. Wesentlich angenehmer als im Fitness-Studio zu schwitzen.
Danke für diese nachdenklichen Zeilen. Sie haben mich daran erinnert, dass ich selbst mal wieder ein Buch zur Hand nehmen sollte – und zwar nicht nur digital.
Herzliche Grüße,
Ron
P.S.: Ich habe auch mal über meine Schreibgewohnheiten nachgedacht – vielleicht interessiert dich das?
Lieber Ron,
Löschenja, meine Arbeitgeber sind Menschen, die Ideale haben, und denen es tatsächlich nicht um die Kohle geht. Ich arbeite im Sozialbereich mit Kindern, da tut sowas natürlich gut...
Ich frag mich auch, warum "nur lesen" sich so verschwendet anfühlt.
Die digitale Dauerbeschallung hat mich leider auch im Griff. Ich gebe zu, dass ich vor dem Schlafengehen ins Smartphone gucke und nicht mehr ins Buch...! :-)
Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!
Herzliche Grüße Maren
Ein bezahlter Lesetag?! Also bitte, wie großartig ist das denn, liebe Maren!!
AntwortenLöschenIch war früher auch eine absolute Leseratte – ohne Bücher ging gar nichts, am liebsten englische. Ich habe sie regelrecht inhaliert. Und irgendwann war diese Phase einfach vorbei. Nicht aus fehlender Liebe, sondern weil sich das Leben mit so vielen anderen Interessen, Projekten, Verpflichtungen und mit den Enkelkindern gefüllt hat. 😂
Ja, ein Buch „frisst Zeit“ nicht, sondern schenkt Zeit, du hast recht. Vielleicht brauche ich auch mal wieder meinen ganz eigenen Lesetag???
Fühl dich gedrückt – und verrat mir: Wann ist der nächste geplant? 📚
Gruß & Kuss,
Claudia
Ja, ich kann wirklich nicht meckern, was meine Arbeitgeber betrifft... .-)))
LöschenWas du schreibst, kann ich gut nachvollziehen, mir geht es ähnlich. Ein wenig hat ja auch das Bloggen das frühere Lesen ersetzt, bei mir zumindest, aber Schreiben ist auch nicht so verkehrt...
Danke, fühl dich auch gedrückt...! Hab noch nix geplant :-)))
Gruß und Kuss
Maren
Ein wahrlich schönes und g'scheites Geschenk, liebstige Maren - auch wenn es vermutlich dann doch nicht alle zum lesen nützen (oder bist du von derart lesefreudigen KollegInnen umgeben?)... Die Statistik vonwegen "Etwa 16 Prozent lesen gar keine Bücher mehr" kommt mir jedenfalls durchaus hoch gegriffen vor - ich kenne mehrere (einst durchaus lese-interessierte) Leute, die mir heute sagen, sie hätten "keine Zeit" zu lesen oder keinen Kopf dazu... Und das ist eher der gebildetere Haufen...........
AntwortenLöschenEdi und ich lesen noch. Ich bin jetzt gerade wieder an einem Fantasy-Machwerk von Tad Williams dran (auf das mich übrigens Edi gebracht hat, der schon ein paar Bücher weiter mit dieser Buchserie ist): Eins der Bücher aus seiner "Osten Ard"-Reihe mit dem Titel "Die Hexenholzkrone". Ich liebe seine Bücher, aber mal damit anzufangen bedeutet, sich wahrlich durch Tausende Seiten zu wühlen. (Hier kannst du nachlesen, aus wie vielen Büchern die Osten Ard Reihe besteht - https://de.wikipedia.org/wiki/Tad_Williams - ich habe sie ALLE gelesen, beginnend bei Das Geheimnis der Großen Schwerter, Band 1 - Der Drachenbeinthron ). Ebenso wie Williams' Otherland-Reihe gehen seine Protagonisten durch viele Abenteuer, stecken häufig in Lebensgefahr, müssen über sich hinauswachsen, teilweise auch Bündnisse mit "Gegnern" eingehen, lernen, "das Richtige zu tun", erleben, dass Zusammenhalt meist weiter führt als Einzelkämpfertum etc. Ein bisschen wie Harry Potter (fast) ohne Zauberei, aber härter. Ich mag solche "Entwicklungsromane mit Action-Touch". Und ich lese übrigens meistens vor dem Schlafengehen. Oft schaffe ich nur ein Kapitel oder einen Teil davon, aber wenn's heftig zur Sache geht, kann ich oft nicht aufhören und lese auch heute noch bis mitten in der Nacht.
Ich hab übrigens auch schon früh zu lesen gelernt - mit ca. 4 Jahren begonnen, meine Mutter zu fragen, was die jeweiligen Aufschriften auf Geschäften oder Plakaten heißen, sie hat's mir vorgelesen, ich hab's mir gemerkt, dann viel gezeichnet und auch immer Buchstaben dazu geschrieben, später ein Leseanfängerbuch bekommen, das mit Blockbuchstaben beginnt und sich bis zur Lateinschrift hocharbeitet, und als ich zur Schule kam, hatte ich das längst durch. Durch meine Deutschprofessorin im Gymnasium hätte ich allerdings fast die Freude am Lesen verloren und habe erst wieder ein paar Jahre nach der Schule freiwillig gelesen.
Alles Liebe und feste Drückers, Traude
https://rostrose.blogspot.com/2026/03/rostrosen-winter-202526-bloparade-denim.html
Danke für den ausführlichen und tollen Kommentar, liebe Traude <3
LöschenLiebe Grüße, Maren
Wo. Das klingt gut. Trotz der selben Arbeitgeberin gibt es bei uns keinen extra Tag. Rudis Firma gibt vierteljährlich "global wellness days" aus, die einem ähnlichen Zweck dienen.
AntwortenLöschenMir geht es wie Dir, ich komme kaum mehr zum Lesen. Möglichweise, weil ich täglich nicht mehr 3 Std. in Zügen sitze. Aber wie ich in den "Weihnachtsferien" feststellen durfte, flutscht das schon wieder mit dem Bücherlesen, wenn es das richtige Buch ist.
Im Kindel lese ich leider nicht so gern. Es geht nicht nur um das Papier in der Hand. Es geht vermutlich um den physischen Kontakt, das voranschreiten der Seiten.
BG und einen schönen Sonntag
Sunny
Mein direkter Arbeitgeber ist ja NICHT die Stadt München, wie du weißt... :-)))) sondern eine gGmbH. Liebe Grüße!
Löschen