Fehlkäufe - eine Ü-30-Blogger-Parade

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich an dieser Ü-30-Blogparade teilnehmen und etwas zum Thema Fehlkäufe schreiben soll. Nicht etwa, weil mir dazu nichts einfiele – ähem, ganz im Gegenteil. Sondern weil ich manchmal das Gefühl habe, dass bestimmte Bekenntnisse in Bloggerkreisen ungefähr so gut ankommen wie ein Pelzmantel auf einer Veganermesse.

Dabei habe ich längst gelernt, dass Konsum ein erstaunlich kompliziertes Thema sein kann. Einerseits leben wir in einer Zeit, in der wir ständig Dinge kaufen, bestellen, vergleichen und wieder zurückschicken können. Andererseits genügt manchmal schon die Erwähnung einer Neuanschaffung, um in mir spontan den Impuls auszulösen, eine kleine Verteidigungsrede zu halten. Warum genau ich dieses Teil gekauft habe. Weshalb es eine wohlüberlegte Entscheidung war. Und dass ich selbstverständlich nicht völlig den Verstand verloren habe.

Dabei habe ich manchmal den Eindruck, dass wir uns beim Thema Konsum in einem kleinen gesellschaftlichen Hindernisparcours bewegen. Auf der einen Seite sollen wir die Innenstädte retten, lokale Geschäfte unterstützen und nicht alles online bestellen. Auf der anderen Seite möglichst wenig konsumieren, nichts Überflüssiges kaufen und jeden Kauf kritisch hinterfragen.

Das führt gelegentlich dazu, dass ich mich frage, wie genau ich nun gleichzeitig den Einzelhandel unterstützen, die Wirtschaft ankurbeln, nachhaltig leben und dabei möglichst gar nichts kaufen soll. Bis dahin bewege ich mich weiter durch diese Widersprüche wie die meisten Menschen: also eher weniger elegant. Manchmal ertappe ich mich sogar dabei, mich für einen simplen Kauf mehr zu rechtfertigen als für andere Entscheidungen, die deutlich größere Auswirkungen auf mein Leben hatten.

Und wehe, wenn sich das gute Stück später auch noch als Fehlkauf herausstellt. Dann wird aus einer etwas unglücklichen Kaufentscheidung gefühlt eine kleine persönliche Niederlage. In solchen Momenten breite ich gern ein oft getragenes Kleidungsstück über die Sache: den Mantel des Schweigens.

Dabei sind Fehlkäufe doch zunächst einmal nichts weiter als ein sehr menschliches Phänomen. Wir alle treffen Entscheidungen auf Basis der Informationen, Gefühle und Bedürfnisse, die wir in einem bestimmten Moment haben. Manchmal passt die Bluse dann eben doch nicht zum restlichen Kleiderschrankinhalt. Manchmal entpuppt sich die perfekte Internet-Fantasie als textile Enttäuschung. Manchmal verliebt man sich in etwas, das sich zuhause als weit weniger bezaubernd erweist als unter den magischen Lichtverhältnissen eines Geschäfts. C'est la vie, mes amies.

Wer mich kennt, weiß, dass ich weder einen sonderlich verschwenderischen Lebensstil pflege noch jede Woche mit zehn Einkaufstüten durch die Gegend laufe. Ich besitze kein Auto, fliege äußerst selten, wohne klein und kaufe vieles gebraucht. Ich bemühe mich durchaus um einen bewussten Umgang mit Ressourcen. Seht ihr? Jetzt mache ich es schon wieder.

Kaum geht es um Konsum, fange ich automatisch an zu erklären, dass ich eigentlich zu den Vernünftigen gehöre. Als müsste ich vorsorglich ein kleines Nachhaltigkeitszeugnis vorlegen, bevor ich zugeben darf, dass auch ich gelegentlich Dinge kaufe, die sich im Nachhinein als keine besonders brillante Idee herausstellen. Vielleicht liegt das auch daran, dass Fehlkäufe inzwischen selten einfach nur Fehlkäufe sind. Sie sind schnell mit Fragen von Nachhaltigkeit, Verantwortung, Lebensstil und Moral verknüpft - so dass sich der Kauf einer Bluse beinahe anfühlt wie eine kleine gesellschaftspolitische Stellungnahme.

Ich merke dann, dass ich selbst manchmal dazu neige, aus guten Vorsätzen eine Art unsichtbare Messlatte zu machen. Und plötzlich stellt sich die Frage, wer am wenigsten kauft. Wer am längsten mit dem Vorhandenen auskommt. Wer aus einer alten Gardine noch drei Sommerkleider und zwei Kissenbezüge klöppeln kann. Wer demnach das reinere Gewissen haben darf. Glaubt mir, darin seid ihr alle viel besser als ich 😂.

Die Wahrheit ist aber auch, dass wir in einer wohlhabenden Gesellschaft leben, die auf Konsum aufgebaut ist. Niemand von uns bewegt sich vollständig außerhalb dieser Strukturen. Das Smartphone in unserer Tasche, die Kleidung an unserem Körper oder die Lebensmittel auf unserem Teller - irgendwo findet sich fast immer ein ökologischer oder sozialer Haken.

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir deshalb gar nicht erst versuchen sollten, nachhaltig zu leben. Aber manchmal hilft es mir, mir bewusst zu machen, dass Perfektion in diesem Bereich vermutlich genauso realistisch ist wie ein Kleiderschrank, in dem jedes einzelne Teil hundertprozentig passt, gefällt und regelmäßig getragen wird.

Auch Fehlkäufe sind letztlich ein Luxusproblem. Schon die Existenz des Wortes verrät, dass wir überhaupt die Möglichkeit haben, Dinge zu kaufen, die wir nicht zwingend benötigen. Die Dekadenz eines Fehlkaufs muss man sich gewissermaßen erst einmal leisten können.

Trotzdem werde ich auch in Zukunft nicht in Sack und Asche gehen, wenn mir einer passiert. Sack und Asche stehen mir ohnehin nicht besonders gut und wären vermutlich bloß die nächsten Fehlkäufe. Ich werde auch keine öffentliche Bußpredigt halten, weil sich die sechste geblümte Tunika im Nachhinein doch nicht als unverzichtbarer Beitrag zur Menschheitsgeschichte erwiesen hat.

Und was die Frage „Brauche ich das wirklich?“ angeht: Große Göttin, wer von uns braucht schon wirklich weitere Anziehsachen? Vielleicht habe ich bestimmte Dinge einfach gekauft, weil sie schön waren. Vielleicht haben sie mir einen guten Tag beschert. Vielleicht haben sie mich für einen Moment glücklich gemacht. Manchmal ist das für mich tatsächlich Grund genug. Außerdem habe ich den Verdacht, dass eine jahrelange therapeutische Aufarbeitung sämtlicher Kaufentscheidungen meines Lebens deutlich mehr Ressourcen verschlingen würde als gelegentlich ein kleiner Fehlkauf. In meinem Alter!

Ich liebe schöne Dinge. Ich liebe Farben, Stoffe, Formen und Ästhetik. Ich schlendere gern durch Geschäfte, betrachte Schaufenster und erfreue mich an gelungenen Auslagen. Nicht unbedingt, um etwas zu kaufen, sondern weil Schönheit für mich einen Wert an sich hat. Und ja, gelegentlich gönne ich mir dann etwas. Manchmal wird daraus ein Lieblingsstück. Manchmal ein Fehlkauf. Dann ärgere ich mich kurz, lerne etwas daraus - oder auch nicht - und mache weiter.

Vielleicht sind Fehlkäufe am Ende einfach der Preis dafür, dass wir keine perfekten, allwissenden Wesen sind. Denn so sehr wir planen, vergleichen und nachdenken - eine hundertprozentige Trefferquote gibt es im Leben selten. Nicht bei Beziehungen, nicht bei Berufswahlen und offenbar auch nicht bei geblümten Tunikas

Wenn die größte Fehlentscheidung meines Lebens darin besteht, dass eine Bluse doch nicht so gut zu meinem Kleiderschrank passt wie gedacht, dann halte ich das für ein ziemlich überschaubares (Luxus-)Problem. Und falls das Schicksal der Menschheit eines Tages tatsächlich von der Anzahl geblümter Tunikas in meinem Schrank abhängen sollte, bin ich bestens vorbereitet. Ha!!!

OUTFIT:

Tunika: aus Frankreich (2022)
Sandalen: Ara (2024)
Hose: Someday (neu)
Tasche: TkMaxx (2019)
Taschengurt und
Libellenbrosche: DaSempre
Ring: DIY

Die Tunika aus Viskose ist übrigens mit der Zeit leider zwei Größen "geschrumpft", 
was hauptsächlich am Material und weniger an den Hormonen liegt... 😂.
Fehlkauf? Mag sein. Ich trag sie dennoch so lange, bis sie zum Crop Top wird.

Normandie 2022: hier saß die Tunika noch schön weit...

LOCATION:

München Shopping-Meile Theatinerstraße

Kommentare

  1. Hallo Maren,

    was sind schon Fehlkäufe? Wenn ich mir den vierten Badeanzug kaufe, weil mir die Farben so gefallen und er mich fröhlich stimmt oder das vierte Parfum, weil ich so verliebt in den Duft bin? Brauchen tu ich sie nicht unbedingt, aber es macht mir Freude. So lange es nicht überhand nimmt und ich viel zu viel kaufe, was ich nicht brauche und mich für meinen Instagram-Kanal verschulde, kann ich mir das ein oder andere Teil gönnen.

    Ist das dritte Stück Kuchen ein Fehlkauf, weil es mich zu dick macht oder ist es eine Freude, weil es mir so gut schmeckt?
    Wenn ich an dem Punkt angekommen bin, wo ich alles immer genau überlege, mir 20mal im Kopf rummurkse, bis ich es mir selbst ausgeredet habe? Nee, danke. Dann lieber ein paar Spontankäufe , auch wenn dann die Fehlkaufpolizei kommt und ich die Fehlkaufhölle komme.
    Aber wetten, ich habe mehr Spaß als die Fehlkaufpolizei? ;-)

    Liebe Grüße,
    Claudia

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    1. Hallo Claudia,
      das mit dem Kuchen ist ein echt guter Vergleich! ;-)))
      Aber in die Fehlkaufhölle kommen dann vermutlich nur diejenigen, welche zugeben, Fehlkäufe getätigt zu haben... die anderen besitzen ja nur Schränke voll Klamotten, ohne je etwas gekauft zu haben. Mysteriös! :-DDDD
      Liebe Grüße
      Maren

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  2. Der Text gefällt mir, ist er doch toll formuliert und zeigt die Widersprüche auf, in denen wir uns bewegen. Und die sind einfach riesig und nicht alleinig aufzulösen.
    Sonntagsgrüße!
    Astrid

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    1. Vielen Dank, Astrid!
      Ich finde die Widersprüche auch riesig.
      Liebe Grüße
      Maren

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  3. Ein toller Post Text und auf den Punkt gebracht. Und ja da hast Du recht, unsere Gesellschaft ist auf Konsum ausgerichtet und wir leben davon dass gekauft und produziert wird egal in welcher Branche gearbeitet wird. Es wird nach allen Regeln des Marketing beworben. Ja es gab auch Leichen im Schrank die Fehlkäufe. Meist mit dem Gedanken passt wenn 5 kg weniger. Das war ganz früher. Heute nur noch das was passt weniger dafür ausgesucht oft auch Second Hand. Weil eben wenn das Teil dann doch nicht so wenigstens nicht so viel Geld draufgeht. Moralische Rechtfertiung:)
    Einen schönen Sonntag.
    LG
    Ursula

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    1. Vielen Dank, Ursula! Ich kaufe aus ähnlichen Gründen auch vieles aus 2. Hand. Dann wurde ich auch dafür kritisiert. Aber irgendwas ist ja immer... :-))))
      Liebe Grüße
      Maren

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  4. Hallo Maren schönen Sonntag ein wunderbarer Beitrag , wer ohne Fehlkauf werfe den ersten Stein..Ha kommt gleich nach der Sünde...viell wirft man mich aus dem Paradies. Aber viell könnten wir ja auch noch Second Hand bei den Lebensmitteln einführen, ein wohlwollendern Gedanke. tja im Alter kommt da ganz schön etwas zusammen. Ich werde trotzdem deswegen keine Psychotherapie Stunde in Anspruch nehmen. Das laufende Leben sorgt schon dafür, dass man nicht verschwenderisch wird. In diesem Sinne, danke für diese tollen Zeilen. lg Dunja

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    1. Vielen Dank, Dunja, und es gibt ja sogar so eine Art 2. Hand für Lebensmittel, bzw. die krummen Möhren und Gurken, die in den Läden nicht verkauft werden... :-))) An sich ein guter Gedanke.
      Psychotherapie lohnt sich ab einem gewissen Alter eh nicht mehr. Da geht die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht mehr auf ;-))) Sehr gerne, liebe Grüße an dich, Maren

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  5. Liebe Maren, einen schönen Sonntag. Wieder mal so schön pointiert beschrieben. Ja der Rechtfertigungsmechanismus greift immer mehr um sich. Je nachdem..und Du hast das so herrlich beschrieben. Ich bin keine Verschenderin und ich bin kein Modemuffel und ich habe Auto, Smartphone, diverse elektronische devices und ich reise auch mal gerne....dafür werde ich -wenn überhaupt nur vor mir rechtfertigen.
    Alles Liebe und eine gute Zeit
    Violetta

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    1. Liebe Violetta, und das ist auch gut so! Dass man Dinge vor sich selbst rechtfertigt, macht Sinn, und andere geht's oft wirklich nix an. Ich glaube, das muss ich selbst in meinem fortgeschrittenen Alter noch lernen!
      Dir auch alles Liebe und eine gute Zeit
      Maren

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  6. Tolles Outfit. Hoffe du kannst die Tunika noch lange tragen, denn sie ist sehr hübsch. Mag die Farben sehr. :)

    Dein Beitrag schlüsselt meiner Meinung nach vieles auf, was das Kaufverhalten und den Einfluss, den sozialen Medien manchmal auch darauf haben, betrifft.
    Ich kaufe wenig bis gar nichts 2. Hand ein, habe allerdings auch nie ein schlechtes Gewissen deswegen. Das habe ich mir abgewöhnt. hihi
    Denn wenn man es insgesamt betrachtet, weil Einkaufen ja nicht das ganze Leben ist, relativiert sich vieles wieder. Wir alle, machen nicht ständig rund um die Uhr Dinge, die auf Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein ausgerichtet sind. :)

    Schönen Sonntag liebe Maren <3
    Herzliche Grüße

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    1. Vielen Dank! Ja, das hoffe ich auch, habe etwas abgenommen und jetzt passt sie wieder besser :-))) Aber darauf kann ich mich nicht immer verlassen.
      Ich halte es für sehr vernünftig, sich ein schlechtes Gewissen irgendwann abzugewöhnen. Da kann ich noch viel lernen. Im Ernst, find ich gut!
      Danke, dir eine schöne Woche <3
      Herzliche Grüße

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  7. Hallo Maren, ich habe selten einen solch treffenden Kommentar zu Fehlkäufen gelesen!!! Gratulation dazu! Ich bin inzwischen 82 und immer noch nicht gegenüber Fehlkäufen immun... Ich kaufe zwar entschieden weniger Klamotten als früher und trotzdem rutscht immer mal wieder ein Teil dazwischen wo man sich fragt, warum man das mal gekauft hat... Wenn möglich schneidere ich es mir um und wenn nicht, werfe ich es in den Behälter, der bei C&A an der Kasse steht . Man bekommt für einen vollen Beutel sogar noch einen 10% Gutschein für den nächsten Einkauf; finde ich gut! Liebe Grüße Renate

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    1. Hallo Renate, lieben Dank für deinen wunderbaren Kommentar! Und Danke für dein Lob!
      Ich glaube, Fehler allgemein haben keine "Altersgrenze"... vielleicht ist das der ganze Sinn des menschlichen Daseins :-DDD Das mit den Behältern bei C&A finde ich auch eine gute Sache! Liebe Grüße, Maren

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  8. Liebe Maren, toller Kommentar zum Thema Konsum oder Nicht- Konsum...ich bin da, glaube ich, ähnlich wie Du - nicht allzuviel davon, gerne mit Bedacht, aber ebenso gerne auch mal spontan, besonders in den kleinen Läden meines kleinen Städtchens, tja - manchmal ist`s eine echte Pleite und manchmal ist es das Lieblingsstück für`s Leben. Scheint mit Klamotten so ähnlich zu funktionieren wie mit der Liebe...🤩 also: no risk no fun, tsts

    Ganz liebe Grüße
    Gila

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    1. Liebe Gila, vielen Dank für deinen Kommentar und dein Lob! <3
      Ach jaaaa, wir machen alle ziemlich viele Fehler, ich glaube, das Wichtigste ist, sie sich auch einzugestehen und sich nicht allzu schlecht zu fühlen. Heißt es nicht so schön: Fehlerkultur? No risk, no fun, du sagst es!
      Ganz liebe Grüße an dich
      Maren

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  9. Liebe Maren, herrlich geschrieben! 😄 Besonders bei dem Teil mit den spontanen Rechtfertigungsreden für völlig normale Käufe. Erstaunlich, wie schnell aus einer Bluse plötzlich eine moralphilosophische Grundsatzdebatte werden kann. 😄
    Und JA, wir bewegen uns tatsächlich oft durch einen ziemlich widersprüchlichen Hindernisparcours - Konsum, Nachhaltigkeit, unterstütze den Einzelhandel und kauf bloß nichts Überflüssiges. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum ich auf meinem Blog kaum über konkrete Käufe schreibe. Weder über Marken noch über Mengen oder darüber, ob etwas neu, alt oder gebraucht ist. Das gehört für mich eher in den privaten Bereich – und die spannendsten Geschichten entstehen ohnehin nicht an der Kasse. 😉
    Und vielleicht sehe ich das auch deshalb entspannt: Ich würde niemals bewerten, ob jemand zu viel oder zu wenig kauft. Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir sind alle alt genug, unsere eigenen Erfahrungen zu machen. Und wie mein Vater immer zu sagen pflegte: „Wenn ein Ratschlag gut wäre, würde er sich verkaufen.“ 😄
    Und die Tunika-Geschichte zum Schluss ist der Knaller. 😂 Wenn sie irgendwann tatsächlich zum Crop Top geworden ist, hat sie immerhin eine beeindruckende Karriere hingelegt, liebe Maren! 😂
    Danke für diesen klugen und wunderbar humorvollen Beitrag. Er erinnert daran, dass wir alle Menschen sind, Fehlentscheidungen treffen dürfen und deswegen weder in Sack noch in Asche herumlaufen müssen!
    Gruß & Kuss,
    Claudia

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    1. Liebe Claudia, zunächst mal ein dickes Dankeschön für dein herrliches Lob und deinen wunderbaren Kommentar. Und mal wieder hast du mich zum Nachdenken gebracht: wieso "rechtfertige" ich meine Käufe überhaupt so sehr? Das tue ich ja auch nicht mit anderen Dingen meines Lebens. Du hast vollkommen recht, dass du kein Wort darüber verlierst ob etwas neu, alt oder gebraucht ist, da hast du mich mal wieder inspiriert. Ich glaube, fortan werde ich das auch nicht mehr tun, außer ich trage was von Sieglinde, das wird erwähnt! Aber alles andere? Wieso tue ich das überhaupt?
      Den Spruch deines Vaters liebe ich auch! Genau so isses! :-)))
      Gruß&Kuss,
      Maren

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  10. Oh jeh musste ich jetzt lachen😂 Das Rechtfertigen für irgendwas passiert irgendwie nur online habe ich das Gefühl. Im offline Leben gucken mich alle an wie ein Alien, wenn ich sage, Leute trennt doch den Müll, das gehört in den gelben Sack! 😅 Online braucht man einen Heiligenschein. 😇 Der enthält das Wort Schein, dumm gelaufen.
    Also super geschrieben, ich habe mich amüsiert und überlege, ob ich ich mich oft rechtfertige? Nötig hätte ich es mit Auto, eins ein SUV, alle uralt, großes Haus, Reisen… ja sehr nötig merke ich. naja irgendwas mache ich bestimmt auch richtig. Ach ja halt, die Sache mit dem gelben Sack! 😅 Von wegen andere sind besser. Irgendwas ist immer.
    Maren das ist bei Viskose oft echt doof. Aber es passt noch, ist wunderschön und cropped Tops sind ja auch wieder im Trend. Witzigerweise kann man sich nicht verlassen dass Viskose eingeht, denn dann tut sie es nicht und das Teil bleibt groß. Alles erlebt. Auch das Schrumpfen des Stoffs.
    Ich wünsche dir einen angenehmen Wochenbeginn, liebe Grüße Tina

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    1. Danke <3 für die Lacher! :-))) Im Ernst, die Leute gucken dich an, weil du Müll trennst?
      Ich habe aus Claudias Kommentar einiges gelernt. Dieses Rechtfertigen geht mir nämlich seit einiger Zeit auf den Senkel. Ob etwas alt, neu oder 2nd Hand ist... ich glaub, das werd ich künftig gar nicht mehr erwähnen, denn einen Heiligenschein krieg ich in diesem Leben eh nicht mehr. Wie viele Neuanschaffungen waren es dieses Jahr, Maren? Was, so viele? Böses Mädchen! :-)))
      Viskose, du sagst es. Ich habe so schon ein Kleid "kleingewaschen". Und ich dachte, wie kann ich in so kurzer Zeit so zunehmen? Dabei war die blöde Viskose schuld.
      Danke, ich wünsch dir eine angenehme Woche, Liebe Grüße, Maren

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  11. Sehr treffend formuliert liebe Maren. Es ist eigentlich schon alles gesagt. Sich ständig rechtfertigen zu müssen nervt schon ein bisschen. Auf diesen Zug werde ich ganz bestimmt nicht aufpringen.

    Deine Tunika finde ich sehr hübsch. Genau richtig für den Sommer.

    Liebe Grüße
    Sabine

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    1. Genau, das dachte ich bereits, als ich deinen Post dazu las. Du hast mich inspiriert, Danke dafür! <3
      Vielen Dank, liebe Sabine!
      Liebe Grüße
      Maren

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  12. Das ist ein sehr hübscher Look. Ich sehe hier Farben, die ich eher meinem Farb-Beute-Schema, als dem Deinen zuordnen würde.
    Jeder hat so seine "Hobbys". Meines ist Mode. Ich mag es, mich mit mir auseinander zu setzten. Ich mag es, Kleidung so zu kombinieren, dass ich mich darin wohl fühle und dass man sieht, dass ich weiß, was Mode ist. Einfach etwas zu kaufen, ist mir nicht Herausforderung genug. Am liebsten ist es mir, den Fundus zu nutzen und ggf. zu überarbeiten/überarbeiten zu lassen. Egal ob Mode oder Musik. Ich mag es auch in meinen Radiosendungen Zeitreisen von den 60ern bis heute "zu erschaffen" und dabei stilistisch in einer "Familie" zu bleiben. Das funktioniert natürlich nur in den Genres, in denen ich bewandert bin.
    Und ich möchte andere anzustiften, das auch zu versuchen. Vor allem, weil es Spaß macht. Eine kreative Idee mit den Händen in die Tat umzusetzen.
    Ich kann nur für mich sprechen. "Unser" Kaufverhalten von Mode ist in den 90ern völlig entgleist. Vielleicht ist mir das da aber erst aufgefallen, weil ich es mir vorher gar nicht leisten konnte.
    Kein Mensch hat die Rechnung hinterfragt. 25 DM für ein Shirt war normal. Wie soll das funktionieren? Meine Mutter war Schneidermeisterin. Kein Stoff, keine "Zutat", kein Schnitt, kein Zuschnitt, keine Anprobe, kein Fertigstellen war damals für diesen Preis zu bewerkstelligen.
    Es hätte mir schon vor 30 Jahren auffallen müssen, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Meisterlohn, 60 DM pro Stunde brutto. Egal ob Friseur oder Schneider.... Und jeder hat die letzten 30 Jahre fleißig am eigenen Stuhl gesägt, weil er Dinge gekauft hat, die viel zu billig waren. Autos, Küchengeräte, TV-Geräte, Möbel. Schrumpfen der fertigenden Industrie.
    Und jetzt jammern alle, weil es keine Handwerker mehr gibt. Will ja keiner mehr welche einstellen. Sind zu teuer....
    Gut. Wir kommen vom Xten ins 1000ste.
    Ich werde die Entwicklung nicht umkehren oder stoppen können. Aber ich kann trotzdem versuchen nicht Dinge zu kaufen, die ich gar nicht brauche. Und ich werde auch weiterhin versuchen den Blick anderer in diese Richtung zu lenken.
    BG Sunny

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    1. Danke! Ja, die Farben sind mir eigentlich zu "kühl", aber ich mach mir da nix draus.
      Ich stimme dem was du schreibst, voll und ganz zu. Jede, die das liest, würde das vermutlich. Daran gibt's gar nix zu diskutieren. Niemand von uns lebt verschwenderisch oder kauft ständig was Neues. Und dass unser Kaufverhalten völlig entgleist ist und es immer noch tut, sieht man ja an solchen Ketten wie Primark oder inzwischen Temu. Das ist alles schon sehr "krank" für eine Gesellschaft.
      Es geht mir mehr um dieses ständige Rechtfertigen vor anderen. Das werde ich - auch dank Claudia und ihrem tollen Kommentar - künftig auch sein lassen... :-)))
      Liebe Grüße Maren

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  13. Würden die ganzen Fehlkäufe wenigstens in den regionalen Läden getätgt, dann wäre das ja noch eine Sache. Dann hätte man zumindest ansässige Geschäfte unterstützt, die Arbeitsstellen generieren und das Geld zumindest teilweise im Umland halten. Aber das Problem ist ja, dass ein Grossteil der Konsumenten bei A*a*on und Konsorten einkauft. Bestellt, zurückschickt, bestellt, zurückschickt. Und dass dabei keiner auch nur einen Gedanken daran verschwendet, was er damit auslöst und wen er dadurch unterstützt. Da bin ich absolut bei Sunny oben. Zudem geben wir dadurch ganz wenigen Menschen eine unglaubliche Macht an die Hand. Wer sein Wissen zu solchen Themen erweitern möchte, der möge sich im Inet informieren.
    Deshalb krieg ich auch dann und wann die Krätze wenn ich höre, wie Menschen das alles rechtfertigen. Und doch, es gibt leider viel zu viele (auch hier auf den Blogs!), die VIEL zuviel kaufen. Mag sein, dass ich bei diesem Thema (und allen ähnlich gelagerten) ziemlich rigoros bin. Aber wenn einem bewusst ist, was das alles an Konsequenzen nach sich zieht, lässt man sich da nichts mehr schönreden.....
    Es schadet absolut nichts, sich dann und wann zu überlegen wie man das rechtfertigen soll. Vor allem vor sich selber.
    Liebe Grüsse!

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    1. Wie oben auch Sunny geh ich auch mit dir völlig d'accord. Aber genau darum geht es: manchmal steht das, was wir so im Blog schreiben oder in den Kommentaren sagen, in völligem Widerspruch zur Realität. Auf keinen Fall glaube ich, dass es bei dir so ist, bitte versteh das auch nicht so, aber je länger ich in Bloggershausen wohne, desto mehr ärgere ich mich über dieses "Schaut doch her, wie nachhaltig ich bin", und da nehm ich mich selbst gar nicht aus. Aber wenn man mal genau hinschaut ist es nur eine Rechtfertigungsstrategie. Aber mehr mag ich dazu jetzt gar nicht sagen.
      Deinen letzten Satz unterschreib ich gleich zweimal: vor allem vor sich selbst. Genau so isses.
      Liebe Grüße!

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  14. Yep, mir geht das auch unsäglich auf den Zeiger. Nicht, dass ich mich als leuchtendes Beispiel sehe, das möchte ich keinesfalls so verstanden wissen. Ich muss meine Kompromisse eingehen, auch wenn sie mich ärgern (ich sag nur: Mietzenfutter und Auto....). Aber wenn jemand nach aussen so tut, wie wenn er wasweissich wie nachhaltig agieren würde, und dann schaut man mal genauer hin und denkt sich so seinen Teil, dann säuert mich das schon an.....
    Ausserdem ist es ja (leider) so dass, thematisiert man die Dinge nicht immer und immer wieder mal, sie sehr schnell aus den Köpfen verschwinden. Dann wird einem aber gerne vorgeworfen, zu missionieren. Schwieriges Thema, und doch (ein für mich) sehr wichtiges.
    Liebe Grüsse!

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    1. Ja, das ist tatsächlich manchmal schwierig. Wie immer und überall obliegt es letztlich der Verantwortung jedes einzelnen, sich und sein Verhalten immer wieder zu hinterfragen. Ich denke, wenn man in Ich-Botschaften sozusagen ein gutes Beispiel gibt, kommt es nicht als Missionieren an.
      Hab ein schönes baldiges Wochenende! :-)

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